Wärmecontracting – Heizung als Dienstleistung, ohne Eigenkapital

    Wärmecontracting – auch Wärmeliefer-Contracting oder Wärme-Liefervertrag genannt – bezeichnet eine Vereinbarung, bei der ein Contractor die komplette Wärmeversorgung eines Gebäudes übernimmt. Er plant, finanziert, baut und betreibt die Heizungsanlage. Der Eigentümer bezieht fertige Wärme und zahlt ausschließlich für das, was er tatsächlich verbraucht.

    Was beinhaltet ein Wärmecontracting-Vertrag?

    Ein vollständiger Wärmecontracting-Vertrag umfasst alle Leistungen, die rund um die Wärmeerzeugung anfallen:

    Planung und Dimensionierung: Der Contractor analysiert den Wärmebedarf des Gebäudes, prüft die baulichen Gegebenheiten und plant die technisch und wirtschaftlich optimale Anlage.

    Investition und Finanzierung: Die gesamten Investitionskosten für Anlage, Installation und Übergabestation trägt der Contractor. Für den Eigentümer entstehen keine Anschaffungskosten.

    Betrieb und Brennstoffbeschaffung: Der Contractor betreibt die Anlage, kümmert sich um den Brennstoffeinkauf (Gas, Biomethan, Strom) und optimiert den Betrieb laufend.

    Wartung und Instandhaltung: Regelmäßige Wartungen, Reparaturen und Ersatzteile sind vollständig im Contracting-Preis enthalten.

    Abrechnung: Der Contractor stellt dem Eigentümer monatlich Grundpreis und Arbeitspreis in Rechnung. Die Weiterabrechnung an Mieter erfolgt nach der Betriebskostenverordnung.

    Förderungsmanagement: Alle verfügbaren Fördermittel werden vom Contractor beantragt – die Einsparungen kommen dem Kunden zugute.

    Welche Heizungstechnologien gibt es im Wärmecontracting?

    Wärmecontracting ist technologieoffen. Je nach Gebäudegröße, Baujahr, Wärmebedarf und lokalen Gegebenheiten kommen unterschiedliche Systeme zum Einsatz:

    Blockheizkraftwerk (BHKW): Ideal für Gebäude mit hohem Strom- und Wärmebedarf. Das BHKW erzeugt gleichzeitig Wärme und Strom – mit einem Gesamtwirkungsgrad von bis zu 95%.

    Wärmepumpe: Für Gebäude mit niedrigem Wärmebedarf, guter Dämmung oder als Ergänzung zu Solarthermie. Luft-Wasser-Wärmepumpen sind besonders flexibel installierbar.

    Hybridanlage (BHKW + Wärmepumpe): Die wirtschaftlich stärkste Kombination für Bestandsgebäude. Das BHKW deckt die Grundlast, die Wärmepumpe nutzt Umweltwärme für günstige Wärme bei milden Temperaturen.

    Pelletheizung/Biomasse: Für Gebäude, bei denen ein besonders hoher Nachhaltigkeitsanspruch besteht und die Logistik für Pellets möglich ist.

    Was kostet Wärmecontracting?

    Die Kosten des Wärmecontractings setzen sich zusammen aus:

    • Grundpreis: Monatliche Pauschale für Bereitstellung, Betrieb und Wartung. Typisch: 200–800 Euro/Monat je nach Anlagengröße.
    • Arbeitspreis: Preis pro verbrauchter kWh Wärme. Typisch: 0,09–0,14 €/kWh je nach Technologie und Fördersituation.

    Im Vergleich: Ein typisches Mehrfamilienhaus mit 10 Wohnungen zahlt beim Eigenbetrieb einer alten Gasheizung oft deutlich mehr – zuzüglich unkalkulierbarer Reparatur- und Ersatzkosten.

    Wärmecontracting und die Wärmelieferverordnung

    Für Wärmecontracting in Mietobjekten gilt die Wärmelieferverordnung (WärmeLV). Sie regelt die Bedingungen, unter denen ein Vermieter auf Wärmecontracting umstellen darf, ohne die Zustimmung der Mieter einzuholen:

    • Die Anlage muss effizienter sein als die bisherige.
    • Die Gesamtkosten für den Mieter dürfen nicht steigen.
    • Die Umstellung muss rechtzeitig angekündigt werden.

    Ein erfahrener Contractor wie Green Contracting unterstützt Eigentümer bei der WärmeLV-konformen Umsetzung – inklusive Mieterinformation und Abrechnung.

    Wärmecontracting für Mehrfamilienhäuser: Besonderheiten

    Mehrfamilienhäuser profitieren besonders vom Wärmecontracting, weil:

    • Kein einzelner Eigentümer eine hohe Investition stemmen muss
    • Bei WEGs komplizierte Eigentümerversammlungen entfallen (Contracting kann der Verwalter beauftragen)
    • Die Energiekosten transparent auf die Mieter umgelegt werden
    • Moderne Anlagen den Energieausweis des Gebäudes verbessern und damit den Immobilienwert steigern

    Häufige Fragen zum Wärmecontracting

    Was ist Wärmecontracting einfach erklärt?

    Wärmecontracting bedeutet, dass ein spezialisierter Dienstleister (Contractor) die komplette Wärmeversorgung eines Gebäudes übernimmt: Er plant, finanziert, baut, betreibt und wartet die Heizungsanlage. Der Eigentümer investiert kein eigenes Kapital, sondern bezieht fertige Wärme und zahlt nur für den tatsächlichen Verbrauch zuzüglich eines Grundpreises.

    Was kostet Wärmecontracting pro kWh?

    Der Arbeitspreis für die gelieferte Wärme liegt je nach Technik, Brennstoff und Fördersituation typischerweise im Bereich von rund 9 bis 14 Cent pro Kilowattstunde (netto). Hinzu kommt ein monatlicher Grundpreis für Bereitstellung, Betrieb und Wartung. Der genaue Preis ergibt sich erst nach einer individuellen Auslegung für Ihr Objekt.

    Ist Wärmecontracting auf die Mieter umlagefähig?

    Ja, unter den Bedingungen der Wärmelieferverordnung (WärmeLV) und des §556c BGB ist die Umstellung auf Wärmecontracting auf die Mieter umlagefähig. Voraussetzung ist insbesondere das Gebot der Kostenneutralität: Die Wärmekosten dürfen für die Mieter nach der Umstellung nicht höher sein als zuvor. Zudem gelten Ankündigungspflichten.

    Welche Heiztechnik wird beim Wärmecontracting eingesetzt?

    Wärmecontracting ist technologieoffen. Je nach Wärmebedarf, Baujahr und Vorlauftemperaturen kommen Blockheizkraftwerke (BHKW), Wärmepumpen, Hybridanlagen aus BHKW und Wärmepumpe oder Biomasse zum Einsatz. Der Contractor wählt die wirtschaftlich und ökologisch optimale Lösung und kombiniert sie mit den passenden Fördermitteln.

    Lohnt sich Wärmecontracting für ein Mehrfamilienhaus?

    Für Mehrfamilienhäuser lohnt sich Wärmecontracting besonders, weil kein einzelner Eigentümer eine hohe Investition stemmen muss, das Ausfall- und Wartungsrisiko beim Contractor liegt und moderne Anlagen den Energieausweis und damit den Immobilienwert verbessern. Wirtschaftlich interessant wird es meist ab einem Jahreswärmebedarf von rund 150.000 kWh.

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