§556c BGB & WärmeLV: Wann ist Contracting auf Mieter umlagefähig?
Stand: September 2026 · berücksichtigt BGH, Urteile vom 20.05.2026 (VIII ZR 46/25 und VIII ZR 47/25)
§ 556c BGB regelt, wann ein Vermieter die laufende Wärmeversorgung eines Mietshauses von der Eigenversorgung auf gewerbliche Wärmelieferung (Contracting) umstellen und die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten auf die Mieter umlegen darf. Die Norm verlangt zwei materielle Voraussetzungen – Effizienzverbesserung (neue Anlage oder Wärmenetz) und Kostenneutralität für die Mieter – sowie eine Umstellungsankündigung in Textform spätestens drei Monate vorher. Die Rechenregeln dazu stehen in der Wärmelieferverordnung (WärmeLV).

Kostenneutralitäts-Rechner: Ist Ihr Contracting nach § 556c BGB umlagefähig?
Der Rechner stellt die Referenzkosten Ihrer bisherigen Eigenversorgung nach § 9 WärmeLV den künftigen Wärmelieferkosten gegenüber. Übersteigt das Angebot die Referenz, ist die Umlage auf Wohnraummieter im Bestand gesperrt.
Ohne Anmeldung · Ergebnis sofort · Regler verschieben und live vergleichen
Ihr Bestand heute
Durchschnitt der letzten drei Abrechnungszeiträume vor der Umstellungsankündigung (§ 9 Abs. 1 WärmeLV).
Einheit des Verbrauchs
Gasrechnungen weisen kWh Brennwert aus, die anerkannten Nutzungsgrade beziehen sich auf den Heizwert. Deshalb rechnet der Rechner bei Gas × 0,901 (DIN V 18599-1).
Preis des letzten Abrechnungszeitraums, inklusive CO₂-Kosten.
Wartung, Schornsteinfeger, Heizungsstrom, Messdienst – alles, was heute zusätzlich in der Heizkostenabrechnung steht.
Bezogen auf den Heizwert. Voreingestellt ist der anerkannte Pauschalwert nach § 10 WärmeLV (BMVBS 2009) für Niedertemperaturkessel 1987–1994: 85,8 %; ein gemessener Wert hat Vorrang. Aus 100 kWh Gas laut Rechnung werden so 77,3 kWh Wärme. Ab 80 % genügt nach § 556c Abs. 1 Satz 2 BGB die Verbesserung der Betriebsführung – ein Anlagenneubau ist dann nicht zwingend.
Das Contracting-Angebot
Je großzügiger die Leistung bemessen ist, desto teurer der fixe Anteil – ein häufiger Grund für gerissene Kostenneutralität.
Bezogen auf die gelieferte Nutzwärme, nicht auf die eingesetzte Endenergie.
Kostenneutralität eingehalten
Das Angebot liegt 867 € pro Jahr unter der Referenz der Eigenversorgung. Die Wärmelieferkosten sind damit dem Grunde nach als Betriebskosten umlagefähig – vorausgesetzt, Effizienzkriterium und Ankündigungsfrist sind ebenfalls erfüllt.
Referenz Eigenversorgung
36.900 €
14,9 ct/kWh Nutzwärme
Wärmelieferkosten
36.033 €
14,6 ct/kWh Nutzwärme
Differenz
-867 €
-3 € je WE und Monat
Effizienzkriterium
Betriebsführung
Nutzungsgrad ≥ 80 % (Abs. 1 S. 2)
Jahreskosten im Vergleich
Die obere Größe ist der gesetzliche Maßstab: was die Wärme im Eigenbetrieb gekostet hätte. Alles darüber trägt der Eigentümer selbst.
Warum weniger Wärme als Gas auf der Rechnung: Ihr alter Heizkessel verliert einen Teil der eingesetzten Energie. Nach den anerkannten Pauschalwerten (§ 10 WärmeLV, BMVBS 2009) kommen bei typischen Niedertemperaturkesseln im Mehrfamilienhaus nur etwa 75–79 % der Gasmenge auf der Rechnung (kWh, Brennwert) als Wärme im Haus an.
Ergebnis als PDF-Report
Ihre Angaben und Ergebnisse übersichtlich als PDF – zum Ablegen, Weiterleiten oder für die nächste Besprechung. Wir senden Ihnen den Report zusätzlich per E-Mail.
3
Monate Ankündigungsfrist in Textform (§ 556c Abs. 2 BGB)
80 %
Jahresnutzungsgrad, ab dem Betriebsführungs-Contracting genügt
3
Abrechnungszeiträume bilden die Vergleichsbasis (§ 9 WärmeLV)
0 €
Mehrkosten, die auf Wohnraummieter umgelegt werden dürfen
Für Eigentümer und Portfoliohalter großer Immobilien ist die Contracting Umlagefähigkeit die entscheidende wirtschaftliche Frage: Wer eine Heizanlage über einen Wärmelieferanten (Contractor) betreiben lässt, will die anfallenden Kosten regelmäßig als Betriebskosten auf die Mieter umlegen. Ob und in welchem Umfang das zulässig ist, regelt im vermieteten Wohnungsbestand vor allem §556c BGB in Verbindung mit der Wärmelieferverordnung (WärmeLV). Dieser Beitrag erläutert den Rechtsrahmen, das zentrale Kostenneutralitätsgebot, die Form- und Ankündigungspflichten sowie die typischen Sonderfälle – praxisnah aus Sicht des Eigentümers. Wie sich diese Vorgaben in einem konkreten Wohnbestand auswirken, zeigt unsere Übersicht zu Contracting im Mehrfamilienhaus.
Rechtsrahmen: §556c BGB und die Wärmelieferverordnung (WärmeLV)
§556c BGB ist seit 2013 die maßgebliche Norm für die sogenannte Umstellung auf Wärmelieferung im Wohnraummietrecht. Die Vorschrift greift, wenn ein Vermieter die bislang im Eigenbetrieb erbrachte Wärmeversorgung – also eine vom Vermieter selbst betriebene Heizungsanlage – auf einen gewerblichen Wärmelieferanten überträgt. In diesem Fall kann der Vermieter die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten umlegen, allerdings nur unter eng definierten Voraussetzungen.
Die Details konkretisiert die Wärmelieferverordnung (WärmeLV). Sie regelt insbesondere, wie die Kostenneutralität zu berechnen ist, welche Bezugsgrößen heranzuziehen sind und welche Angaben die Umstellungsankündigung enthalten muss. §556c BGB und WärmeLV bilden damit ein zusammengehöriges Regelwerk: Das Gesetz definiert das „Ob“ der Umlagefähigkeit, die Verordnung das „Wie“ des Nachweises.
Zentrale Voraussetzungen für die Umlagefähigkeit bei einer Umstellung sind:
- Effizienzkriterium: Die Wärme wird entweder mit verbesserter Effizienz aus einer vom Contractor neu errichteten Anlage oder aus einem Wärmenetz geliefert.
- Kostenneutralität: Die umgelegten Wärmelieferkosten übersteigen die bisherigen Betriebskosten der Eigenversorgung nicht.
- Ankündigung: Die Umstellung wird mindestens drei Monate vorher in Textform angekündigt.
Der Mieter trägt die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten nur, wenn die Kosten der Wärmelieferung die Betriebskosten für die bisherige Eigenversorgung mit Wärme nicht übersteigen.
In der Praxis: Die Umstellung entscheidet sich rechnerisch, nicht argumentativ. Wer die Vergleichsrechnung nicht führen kann, kann auch nicht umlegen.
Volltext auf gesetze-im-internet.de
§ 556c BGB Absatz für Absatz – was die Norm tatsächlich sagt
Wer die Umlagefähigkeit prüft, braucht die Norm im Zugriff. § 556c BGB besteht aus vier Absätzen, von denen jeder eine eigene Funktion hat. Die folgende Übersicht ordnet sie und benennt die jeweilige Konsequenz für die Praxis:
| Regelung | Inhalt | Konsequenz für Eigentümer |
|---|---|---|
| Abs. 1 Satz 1 | Grundtatbestand: Der Mieter trägt die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten, wenn er die Betriebskosten für Wärme oder Warmwasser bereits zuvor zu tragen hatte und der Vermieter von Eigenversorgung auf eigenständig gewerbliche Wärmelieferung umstellt. | Ohne vertragliche Betriebskostenumlage vor der Umstellung greift § 556c BGB nicht – der Kern der BGH-Entscheidungen vom 20.05.2026. |
| Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 | Effizienzkriterium: Lieferung mit verbesserter Effizienz aus einer vom Wärmelieferanten neu errichteten Anlage oder aus einem Wärmenetz. | Ein bloßer Betreiberwechsel an der Altanlage genügt im Grundfall nicht. |
| Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 | Kostenneutralität: Die Kosten der Wärmelieferung dürfen die Betriebskosten der bisherigen Eigenversorgung nicht übersteigen. | Die Umstellung entscheidet sich rechnerisch, nicht argumentativ. |
| Abs. 1 Satz 2 | Ausnahme: Beträgt der Jahresnutzungsgrad der bestehenden Anlage vor der Umstellung mindestens 80 Prozent, kann sich der Wärmelieferant statt eines Neubaus auf die Verbesserung der Betriebsführung beschränken. | Bei einer jungen, gut laufenden Anlage ist Betriebsführungs-Contracting der umlagefähige Weg – ohne Ersatzinvestition. |
| Abs. 2 | Umstellungsankündigung spätestens drei Monate zuvor in Textform. | Formfehler kosten die Umlage – unabhängig davon, wie gut die Rechnung ist. |
| Abs. 3 und Abs. 4 | Verordnungsermächtigung, aus der die WärmeLV hervorgegangen ist, sowie Unabdingbarkeit zum Nachteil des Mieters. | Im Wohnraum lässt sich nichts wegvereinbaren; im Gewerbemietvertrag schon (§ 578 Abs. 2 Satz 2 BGB). |
Praktisch relevant ist vor allem der häufig übersehene Satz 2: Die 80-Prozent-Schwelle des Jahresnutzungsgrades öffnet einen zweiten Weg in die Umlagefähigkeit, der ohne Anlagenneubau auskommt. Wer einen Bestand mit vergleichsweise neuen Kesseln hält, sollte diesen Pfad prüfen, bevor er die Umstellung an der Neubau-Voraussetzung scheitern lässt. Die Abgrenzung der Modelle beschreibt der Beitrag zu den Contracting-Modelle nach DIN 8930-5. Welche Vertragsform am Ende zur Anlage, zur Eigentümerstruktur und zum Mieterbestand passt, ordnet die Übersicht der Contracting-Modelle ein.
§ 556c BGB im Wortlaut – der amtliche Normtext, Absatz für Absatz erläutert
Die Vorschrift trägt den amtlichen Titel „Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten, Verordnungsermächtigung“. Wiedergegeben ist der Wortlaut nach der amtlichen Fassung auf gesetze-im-internet.de; Gesetzestexte sind amtliche Werke und dürfen zitiert werden. Maßgeblich bleibt im Zweifel stets die dort veröffentlichte, jeweils geltende Fassung.
(1) Hat der Mieter die Betriebskosten für Wärme oder Warmwasser zu tragen und stellt der Vermieter die Versorgung von der Eigenversorgung auf die eigenständig gewerbliche Lieferung durch einen Wärmelieferanten (Wärmelieferung) um, so hat der Mieter die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten zu tragen, wenn
1. die Wärme mit verbesserter Effizienz entweder aus einer vom Wärmelieferanten errichteten neuen Anlage oder aus einem Wärmenetz geliefert wird und
2. die Kosten der Wärmelieferung die Betriebskosten für die bisherige Eigenversorgung mit Wärme oder Warmwasser nicht übersteigen.
Beträgt der Jahresnutzungsgrad der bestehenden Anlage vor der Umstellung mindestens 80 Prozent, kann sich der Wärmelieferant anstelle der Maßnahmen nach Nummer 1 auf die Verbesserung der Betriebsführung der Anlage beschränken.
In der Praxis: Absatz 1 enthält die gesamte materielle Prüfung. Der Einleitungssatz schafft zwei Eingangsvoraussetzungen: Der Mieter trägt bereits die Betriebskosten für Wärme oder Warmwasser, und es wird von Eigenversorgung auf Wärmelieferung umgestellt. Er definiert zugleich den Begriff „Wärmelieferung“. Nr. 1 verlangt echte Effizienz – das Wärmenetz muss nach dem Wortlaut nicht neu sein, die Effizienzverbesserung aber nachweisbar. Nr. 2 ist das Kostenneutralitätsgebot, dessen Rechenweg die §§ 8 bis 10 WärmeLV festlegen. Satz 2 öffnet bei gut laufenden Anlagen den Weg über das Betriebsführungs-Contracting.
Quelle: § 556c BGB auf gesetze-im-internet.de(2) Der Vermieter hat die Umstellung spätestens drei Monate zuvor in Textform anzukündigen (Umstellungsankündigung).
In der Praxis: Die Frist läuft rückwärts vom Umstellungszeitpunkt; maßgeblich ist der Zugang beim Mieter. Textform (§ 126b BGB) heißt: lesbare Erklärung unter Nennung des Erklärenden, ohne Unterschrift – Brief oder E-Mail genügen. Welche Angaben die Ankündigung enthalten muss, regelt § 11 WärmeLV (siehe Umstellungsankündigung).
(3) Die Bundesregierung wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates Vorschriften für Wärmelieferverträge, die bei einer Umstellung nach Absatz 1 geschlossen werden, sowie für die Anforderungen nach den Absätzen 1 und 2 zu erlassen. Hierbei sind die Belange von Vermietern, Mietern und Wärmelieferanten angemessen zu berücksichtigen.
In der Praxis: Auf dieser Ermächtigung beruht die Wärmelieferverordnung. Sie regelt Mindestinhalte des Wärmeliefervertrags, den Kostenvergleich und die Ankündigung. Wer § 556c BGB prüft, muss die WärmeLV immer mitlesen – Details im Beitrag zur Wärmelieferverordnung (WärmeLV).
(4) Eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung ist unwirksam.
In der Praxis: Eine Klausel im Wohnraummietvertrag, nach der der Mieter jede künftige Wärmelieferung ohne Kostenneutralität oder ohne Ankündigung trägt, ist insoweit unwirksam. Für Geschäftsräume gilt das nicht: § 578 Abs. 2 BGB lässt dort abweichende Vereinbarungen ausdrücklich zu.
Prüfschema § 556c BGB: Tatbestandsmerkmale und Rechtsfolge
Juristisch lässt sich § 556c BGB in einer festen Reihenfolge prüfen. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Seit den BGH-Urteilen vom 20. Mai 2026 steht der Anwendungsbereich vor jeder Rechnung. Scheitert die Prüfung auf einer Stufe, kommt es auf die folgenden nicht mehr an.
| Stufe | Tatbestandsmerkmal | Norm | Wenn es fehlt |
|---|---|---|---|
| I. 1 | Wohnraummietverhältnis (bei Geschäftsräumen: entsprechende Anwendung, abdingbar) | § 556c BGB; § 578 Abs. 2 BGB | Kein Mietverhältnis, z. B. selbstnutzende Eigentümer: § 556c BGB spielt keine Rolle. |
| I. 2 | Mieter trägt bereits die Betriebskosten für Wärme oder Warmwasser | Abs. 1 Satz 1 | Norm nicht anwendbar, auch nicht analog (BGH VIII ZR 46/25, 47/25). Umlage nur per Vereinbarung. |
| I. 3 | Umstellung von Eigenversorgung auf eigenständig gewerbliche Wärmelieferung | Abs. 1 Satz 1 | Neubau oder Wärmelieferung von Anfang an: keine Umstellung, Umlage nach allgemeinen Regeln (§ 2 Nr. 4 c BetrKV). |
| II. 1 | Verbesserte Effizienz: neue Anlage des Wärmelieferanten oder Wärmenetz – alternativ Betriebsführung bei ≥ 80 % Jahresnutzungsgrad | Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 | Keine Umlage der Wärmelieferkosten über § 556c BGB. |
| II. 2 | Kostenneutralität: Wärmelieferkosten übersteigen die Kosten der bisherigen Eigenversorgung nicht | Abs. 1 Satz 1 Nr. 2; §§ 8–10 WärmeLV | Umlagegrenze verfehlt; die Kosten bleiben – zumindest in Höhe der Überschreitung – beim Vermieter. |
| III. | Umstellungsankündigung in Textform, spätestens drei Monate vorher, mit Pflichtangaben | Abs. 2; § 11 WärmeLV | Einwendungsfrist gegen die Abrechnung beginnt erst mit ordnungsgemäßer Ankündigung (§ 11 Abs. 3 WärmeLV). |
| IV. | Rechtsfolge: Mieter trägt die Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten | Abs. 1 Satz 1; § 2 Nr. 4 c, Nr. 5 b BetrKV; HeizkostenV | Umlagefähig sind Grund-, Arbeits- sowie Mess- und Abrechnungspreis, verteilt nach HeizkostenV. |
Für die Praxis heißt das: Zuerst die Mietverträge prüfen, dann die Technik, dann die Zahlen, zuletzt die Form. Das interaktive Prüfschema am Ende dieser Seite führt Sie mit fünf Ja-/Nein-Fragen durch dieselbe Reihenfolge.
Anwendungsbereich von § 556c BGB: Wohnraum, Gewerbe, Neubau, Eigentümer
Viele Fehlkalkulationen beginnen mit der Annahme, § 556c BGB gelte überall, wo Wärme geliefert wird. Die Norm ist aber eng zugeschnitten. Die folgende Abgrenzung zeigt, wo sie zwingend gilt, wo sie abbedungen werden kann und wo sie gar nicht einschlägig ist:
| Konstellation | Gilt § 556c BGB? | Rechtsgrundlage und Folge |
|---|---|---|
| Wohnraummiete, zentrale Heizung, Heizkosten als Betriebskosten | ja, zwingend | Abweichungen zum Nachteil des Mieters unwirksam (Abs. 4). |
| Gewerbemiete (Büro, Einzelhandel, Praxis, Lager) | entsprechend, aber abdingbar | § 578 Abs. 2 BGB verweist auf § 556c Abs. 1 und 2 und die WärmeLV, erlaubt aber abweichende Vereinbarungen – der Gewerbemietvertrag kann die Umstellung frei regeln. |
| Gemischt genutztes Objekt (Wohnen und Gewerbe) | je Mietverhältnis getrennt | Wohnungen zwingend nach § 556c BGB, Gewerbeeinheiten nach Vertrag; Vergleichsrechnung und Ankündigung für die Wohnungen trotzdem vollständig führen. |
| Neubau oder Gebäude mit Wärmelieferung von Anfang an | nein | Keine Umstellung; Umlage nach § 2 Nr. 4 c BetrKV, wenn der Mietvertrag sie vorsieht. |
| Mieter mit eigener Etagen- oder Einzelheizung | nein | BGH, 20.05.2026 (VIII ZR 46/25, 47/25) für Elektro-Einzelöfen: keine Umlagegrundlage, auch keine Analogie; Übertragung auf Etagenheizungen naheliegend, aber nicht ausdrücklich entschieden. |
| Bruttowarmmiete (Heizkosten pauschal in der Miete) | nein | Mieter trägt keine Betriebskosten für Wärme im Sinne von Abs. 1 Satz 1. |
| Selbstnutzende Wohnungseigentümer, Eigentümergemeinschaft | nein | § 556c BGB ist Mietrecht. Die Umstellung beschließt die Gemeinschaft nach WEG; erst im Verhältnis zu Mietern vermieteter Einheiten wird § 556c BGB relevant. |
Für Gewerbeportfolios ist die Abdingbarkeit ein echter Gestaltungsspielraum: Dort lassen sich Wärmelieferpreise auch oberhalb der bisherigen Kosten vereinbaren, wenn der Mieter zustimmt. Wie solche Vereinbarungen im Detail aufgebaut werden, zeigt der Beitrag zum Contracting-Vertrag.
Das Kostenneutralitätsgebot des § 556c BGB – die zentrale Hürde
Das Kostenneutralitätsgebot ist in der Praxis die wichtigste und zugleich anspruchsvollste Voraussetzung. Es bedeutet: Nach der Umstellung dürfen die als Wärmelieferkosten umgelegten Beträge die Betriebskosten nicht übersteigen, die bei fortgesetztem Eigenbetrieb angefallen wären. Die Mieter sollen durch die Übertragung der Versorgung auf einen gewerblichen Anbieter wirtschaftlich nicht belastet werden.
Für Eigentümer hat das eine klare Konsequenz: Die typische Marge des Contractors, die Kapitalkosten der neuen Anlage und der Gewinnaufschlag müssen durch die erzielte Effizienzverbesserung aufgefangen werden. Gelingt das nicht und liegen die Wärmelieferkosten höher als die bisherigen Kosten, ist die Umstellung nicht im vollen Umfang umlagefähig. Die Differenz verbleibt dann beim Vermieter.
Wie die Kostenneutralität konkret nachgewiesen wird
Maßgeblich ist ein Vergleich der Kosten vor und nach der Umstellung auf Basis der WärmeLV. Heranzuziehen sind die Betriebskosten der Eigenversorgung, also insbesondere Brennstoffkosten, Kosten des Betriebsstroms, Wartung, Messung und vergleichbare Positionen. Diesen werden die künftigen Wärmelieferkosten gegenübergestellt. In der Praxis stützt sich der Nachweis auf:
- die Verbrauchs- und Kostendaten der zurückliegenden Abrechnungsperioden als Referenz,
- eine nachvollziehbare Berechnung der voraussichtlichen Wärmelieferkosten,
- die Dokumentation der Effizienzverbesserung der neuen Anlage oder des Wärmenetzanschlusses.
Für große Immobilien empfiehlt sich eine belastbare, gutachterlich gestützte Vergleichsrechnung, da Fehler im Nachweis unmittelbar die Umlagefähigkeit gefährden. Eine saubere Datengrundlage aus einem Energieaudit oder Benchmark-Report ist hier die Basis jeder rechtssicheren Umstellung.
Der Kostenvergleich nach §§ 8 bis 10 WärmeLV – mit Rechenbeispiel
Die WärmeLV schreibt den Vergleich nicht nur vor, sie legt seinen Rechenweg fest. § 8 WärmeLV bestimmt den Maßstab: Gegenüberzustellen sind die Kosten der bisherigen Eigenversorgung, die der Mieter als Betriebskosten getragen hat, und die Kosten, die er getragen hätte, wenn er dieselbe Wärmemenge über eine Wärmelieferung bezogen hätte. Verglichen wird also nicht Ist gegen Plan, sondern eine hypothetische Lieferung derselben Menge gegen die tatsächliche Vergangenheit.
Die Ermittlung erfolgt in vier Schritten:
| Schritt | Rechtsgrundlage | Was zu ermitteln ist |
|---|---|---|
| 1. Endenergieverbrauch | § 9 Abs. 1 WärmeLV | Durchschnitt der letzten drei Abrechnungszeiträume vor der Umstellungsankündigung. |
| 2. Kosten der Eigenversorgung | § 9 Abs. 1 WärmeLV | Durchschnittsverbrauch multipliziert mit dem Brennstoffpreis des letzten Abrechnungszeitraums, zuzüglich der übrigen abgerechneten Betriebskosten der Wärme- und Warmwasserversorgung dieses Zeitraums. |
| 3. Bisherige Wärmemenge | § 10 Abs. 1 und 2 WärmeLV | Endenergieverbrauch multipliziert mit dem Jahresnutzungsgrad der Altanlage, bestimmt am Übergabepunkt. Ist er nicht aus fortlaufender Messung bestimmbar, per Kurzzeitmessung oder – hilfsweise – mit anerkannten Pauschalwerten. |
| 4. Kosten der Wärmelieferung | § 10 Abs. 3 WärmeLV | Wärmemenge zum aktuellen Wärmelieferpreis, über die vereinbarte Preisänderungsklausel auf den letzten Abrechnungszeitraum indexiert. |
Zwei Details entscheiden in der Praxis über das Ergebnis. Erstens die Indexierung nach § 10 Abs. 3 WärmeLV: Der künftige Wärmepreis wird nicht mit heutigen Preisen gegen alte Kosten gestellt, sondern rechnerisch auf denselben Zeitraum zurückgerechnet – andernfalls entschiede der Vergleich allein über Energiepreisbewegungen. Zweitens der Jahresnutzungsgrad: Er ist der eigentliche Hebel. Je schlechter die Altanlage arbeitet, desto kleiner die zu liefernde Wärmemenge und desto größer der Spielraum des Contractors. Wurde nach § 9 Abs. 2 WärmeLV innerhalb der drei Referenzjahre bereits modernisiert, ist auf den Endenergieverbrauch der modernisierten Anlage umzurechnen – eine kurz zuvor erneuerte Anlage verkleinert den Spielraum also doppelt.
Rechenbeispiel: Mehrfamilienhaus mit 24 Wohneinheiten
Alle Werte sind gerundete Richtwerte netto; sie zeigen die Systematik und ersetzen keine objektbezogene Rechnung. Ausgangslage: Gaszentralheizung Baujahr 2004, durchschnittlicher Endenergieverbrauch der letzten drei Abrechnungszeiträume 300.000 kWh pro Jahr, Gasarbeitspreis des letzten Zeitraums 9,0 ct/kWh, Jahresnutzungsgrad der Altanlage 78 Prozent.
| Position | Rechnung | Betrag pro Jahr |
|---|---|---|
| Brennstoffkosten | 300.000 kWh zu 9,0 ct | 27.000 € |
| Betriebsstrom, Wartung, Schornsteinfeger, Messung, Abrechnung | übrige Betriebskosten des letzten Zeitraums | 4.000 € |
| Kosten der Eigenversorgung (§ 9 WärmeLV) | Summe | 31.000 € |
| Bisherige Wärmemenge (§ 10 Abs. 1) | 300.000 kWh bei 78 % Jahresnutzungsgrad | 234.000 kWh |
| Preisobergrenze der Wärmelieferung | 31.000 € geteilt durch 234.000 kWh | rund 13,2 ct/kWh Wärme |
| Angebot Contractor: Grundpreis | 120 kW zu 65 €/kW | 7.800 € |
| Angebot Contractor: Arbeitspreis | 234.000 kWh zu 9,5 ct | 22.230 € |
| Angebot Contractor: Messpreis | pauschal | 900 € |
| Kosten der Wärmelieferung (§ 10 WärmeLV) | Summe | 30.930 € – kostenneutral |
Das Beispiel bleibt mit 70 € Abstand knapp unter der Grenze – und genau das ist der typische Fall. Der Puffer beträgt hier rund 0,2 Prozent. Läge der Jahresnutzungsgrad der Altanlage bei 80 statt 78 Prozent, stiege die Wärmemenge auf 240.000 kWh, die Preisobergrenze fiele auf rund 12,9 ct/kWh und der Arbeitspreis stiege auf 22.800 € – die Umstellung wäre dann nicht mehr kostenneutral. Die Bestimmung des Jahresnutzungsgrades nach § 10 Abs. 2 WärmeLV ist deshalb kein Nebenschauplatz, sondern der Punkt, an dem sich die Umlagefähigkeit entscheidet. Wer hier mit Pauschalwerten statt mit einer Kurzzeitmessung arbeitet, trägt das Risiko im späteren Streit. Wie sich eine Umstellung jenseits der Umlagefrage rechnet, zeigt der Vergleich Contracting oder Eigeninvestition.
Umstellungsankündigung nach § 556c Abs. 2 BGB: Form- und Fristpflichten
Die Umstellung muss den Mietern spätestens drei Monate vor der geplanten Umstellung in Textform angekündigt werden. Die Ankündigung ist keine bloße Formalität: Fehlt sie oder ist sie inhaltlich unzureichend, beginnt nach § 11 Abs. 3 WärmeLV die Frist für Einwendungen gegen die Abrechnung der Wärmelieferkosten frühestens mit Zugang einer ordnungsgemäßen Ankündigung. Das ist die ausdrücklich geregelte Rechtsfolge; ob ein Ankündigungsmangel darüber hinaus die Umlagefähigkeit insgesamt entfallen lässt, ist nicht abschließend geklärt und hängt vom Einzelfall ab.
§ 11 Abs. 2 WärmeLV zählt die Pflichtangaben auf. Die Ankündigung muss Angaben enthalten:
- zur Art der künftigen Wärmelieferung,
- zur voraussichtlichen energetischen Effizienzverbesserung beziehungsweise zur verbesserten Betriebsführung,
- zum Kostenvergleich nach § 556c Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BGB einschließlich der zugrunde gelegten Annahmen und Berechnungen,
- zum geplanten Umstellungszeitpunkt,
- zu den im Wärmeliefervertrag vorgesehenen Preisen und Preisänderungsklauseln.
Der letzte Punkt wird in der Praxis am häufigsten übersehen: Die Ankündigung muss die vereinbarte Preisgleitklausel offenlegen, nicht nur den Startpreis nennen. Ebenso wichtig ist § 11 Abs. 3 WärmeLV – rechnet der Vermieter Wärmelieferkosten ab, ohne zuvor ordnungsgemäß angekündigt zu haben, beginnt die Widerspruchsfrist des Mieters gegen die Betriebskostenabrechnung erst mit dem Zugang einer Ankündigung, die den Anforderungen der Absätze 1 und 2 genügt. Eine fehlerhafte Ankündigung heilt also nicht einfach durch Zeitablauf.
Textform bedeutet, dass die Ankündigung lesbar und unter Nennung des Erklärenden erfolgen muss, etwa per Brief oder E-Mail; eine eigenhändige Unterschrift ist nicht erforderlich. Eigentümer sollten den Zugang der Ankündigung bei jedem Mieter dokumentieren, um die Fristwahrung im Streitfall belegen zu können.
Umstellung von Eigenbetrieb auf Wärmelieferung – Schritt für Schritt
Eine rechtssichere Umstellung folgt einem klaren Ablauf. Bewährt hat sich für Eigentümer großer Bestände folgendes Vorgehen:
- Bestandsaufnahme: Erfassung der bisherigen Betriebskosten der Eigenversorgung über mehrere Abrechnungsperioden als Referenzgröße.
- Effizienzkonzept: Auslegung der neuen Anlage (z. B. BHKW, Wärmepumpe, Hybrid) so, dass eine nachweisbare Effizienzverbesserung erreicht wird. Für Wärmepumpen ist dabei entscheidend, welches Vertragsmodell gewählt wird: nur die Wärmelieferung fällt unter §556c BGB – der Vergleich der Modelle steht im Ratgeber Wärmepumpe mieten: Anlagenmiete, Abo oder Leasing.
- Wirtschaftlichkeits- und Kostenneutralitätsrechnung: Gegenüberstellung der künftigen Wärmelieferkosten und der bisherigen Betriebskosten nach WärmeLV.
- Vertragsgestaltung mit dem Contractor: Abstimmung von Preisgleitklauseln und Laufzeit so, dass die Kostenneutralität dauerhaft tragfähig bleibt.
- Ankündigung in Textform: fristgerechte Information der Mieter mindestens drei Monate vorher.
- Umsetzung und Abrechnung: Umstellung und anschließende Betriebskostenabrechnung der Wärmelieferkosten. Messung, Verbrauchserfassung und die jährliche Wärmeabrechnung, die dieser Umlage zugrunde liegt, übernimmt in der Regel der Contractor – Betrieb, Wartung und Abrechnung beschreibt den Leistungsumfang im Detail.
Sonderfall Neubau und bestehende Wärmelieferverträge
§556c BGB regelt ausschließlich die Umstellung von einer bestehenden Eigenversorgung auf gewerbliche Wärmelieferung. Existiert dagegen von Anfang an ein Wärmeliefervertrag – etwa im Neubau, der direkt über einen Contractor oder ein Wärmenetz versorgt wird –, greift das Kostenneutralitätsgebot nicht. In diesem Fall sind die Wärmelieferkosten nach den allgemeinen Regeln der Betriebskostenverordnung umlagefähig, sofern der Mietvertrag eine entsprechende Umlage vorsieht.
Gleiches gilt, wenn ein Gebäude bereits beim Erwerb über einen laufenden Wärmeliefervertrag versorgt wird: Da hier keine Umstellung aus dem Eigenbetrieb erfolgt, ist die Konstellation rechtlich anders zu bewerten als die klassische Umstellung im Bestand. Für die Kalkulation großer Portfolios ist diese Abgrenzung wesentlich, weil sie über die Frage entscheidet, ob die strenge Kostenneutralität überhaupt zu beachten ist.
BGH, 20. Mai 2026: Der Anwendungsbereich entscheidet vor der Kostenneutralität
Die praktisch folgenreichste Entwicklung zu §556c BGB stammt vom 20. Mai 2026. Der VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs entschied in zwei Parallelverfahren (VIII ZR 46/25 und VIII ZR 47/25): Hatten die Mieter die Kosten für Wärme und Warmwasser vor der Umstellung nicht als Betriebskosten zu tragen, ist §556c BGB nicht anwendbar – weder unmittelbar noch entsprechend.
Zugrunde lag ein Berliner Mehrfamilienhaus: Die Wohnungen waren bis 2015 mit Elektro-Einzelöfen und Warmwasserboilern ausgestattet, die die Mieter selbst betrieben und deren Strom sie direkt an den Versorger zahlten. Eine Umlage von Heiz- oder Warmwasserkosten als Betriebskosten war in den Mietverträgen nicht vereinbart. Anschließend stellte die Vermieterin auf eine zentrale Heizungsanlage im gewerblichen Wärmecontracting um und verlangte Vorauszahlungen sowie Nachforderungen für die Jahre 2017 bis 2020.
Tragend ist die Begründung zur Analogie: §556c BGB setzt den Umstellungsfall voraus, in dem der Mieter die Wärmekosten bereits zuvor als Betriebskosten trug. Für eine entsprechende Anwendung auf die Selbstversorgungs-Konstellation fehlt es an einer planwidrigen Regelungslücke – weder aus der Gesetzeshistorie noch aus den Materialien ergibt sich, dass der Gesetzgeber auch solche Umstellungen erfassen wollte; er hat bewusst nur den Regelfall geregelt. Der BGH hob die Berufungsurteile des Landgerichts Berlin II auf und verwies die Sachen zurück; über den verbleibenden Anspruch nach der Heizkostenverordnung ist damit nicht abschließend entschieden.
Für die Praxis dreht das die Prüfreihenfolge um. Die erste Frage ist nicht mehr, ob ein Angebot kostenneutral ist, sondern ob überhaupt eine Umlagegrundlage besteht:
| Ausgangslage vor der Umstellung | §556c BGB anwendbar? | Was daraus folgt |
|---|---|---|
| Zentrale Heizungsanlage des Vermieters, Wärmekosten im Mietvertrag als Betriebskosten umgelegt | ja – der vom Gesetz geregelte Regelfall | Weiter mit Effizienzkriterium, Kostenneutralität und Drei-Monats-Ankündigung. |
| Elektro-Einzelöfen oder Nachtspeicher, Strom direkt vom Mieter bezahlt | nein – der entschiedene Fall | Die Wärmelieferkosten lassen sich nicht über §556c BGB umlegen; der Rechenweg zur Kostenneutralität führt hier ins Leere. |
| Gasetagenheizung mit eigenem Liefervertrag des Mieters | nein nach derselben Linie | Die häufigste Konstellation der Heizungsumstellung im Altbestand – und damit der Hauptanwendungsfall der Entscheidung. |
| Dezentrale Warmwasserbereitung über Durchlauferhitzer auf Mieterkosten | nein für diesen Kostenteil | Wärme und Warmwasser sind getrennt zu betrachten; die Umlagegrundlage kann für den einen Teil bestehen und für den anderen fehlen. |
| Gebäude von Anfang an über Wärmelieferung versorgt (Neubau, Bestandsvertrag) | nicht einschlägig | Keine Umstellung, daher keine Kostenneutralitätsprüfung – Umlage nach den allgemeinen Regeln der BetrKV. |
Wenn der Anwendungsbereich verschlossen ist: die verbleibenden Wege
Fehlt die Umlagegrundlage, ist die Umstellung nicht unmöglich – sie wird nur zu einer Vereinbarungs- statt einer Rechenfrage. Drei Wege bleiben, jeder mit einem eigenen Preis:
- Nachtragsvereinbarung mit den Mietern. Die ausdrückliche Zustimmung zur Umlage der Wärmelieferkosten ist der Weg zur vollen Umlagefähigkeit. Im großen Bestand ist er aufwendig, weil die Zustimmung mieterindividuell erteilt werden muss; bei Neuvermietung lässt sich die Umlage über den neuen Mietvertrag regeln – der Umstellungsertrag stellt sich dann über die Fluktuation ein und nicht sofort.
- Modernisierungsumlage nach §559 BGB. Sie setzt eine eigene Investition des Vermieters voraus und unterliegt den gesetzlichen Kappungsgrenzen. Beim Energieliefer-Contracting investiert der Contractor, nicht der Eigentümer – dann steht dieser Weg gerade nicht offen. Die Abgrenzung beschreibt der Beitrag zur Modernisierungsumlage beim Contracting.
- Kalkulation ohne Umlage. Contracting kann sich auch dann rechnen, wenn die Kosten beim Eigentümer bleiben – über die vermiedene Ersatzinvestition, die ausgelagerte Betriebspflicht und den Wegfall des Instandhaltungsrisikos. Dann gehört die Wärmelieferung aber in die Objektkalkulation und nicht in die Betriebskostenabrechnung. Die Gegenrechnung führt der Beitrag Contracting oder Eigeninvestition aus.
Für Ankauf und Repositionierung folgt daraus ein konkreter Due-Diligence-Punkt: Bei Beständen mit Einzelheizungen gehört in die Mietvertragsprüfung die Frage, ob die Verträge eine Öffnungsklausel für künftige Betriebskostenarten enthalten. Wird ein Umstellungsertrag in den Kaufpreis eingepreist, ohne dass diese Grundlage besteht, trägt der Erwerber die Wärmelieferkosten über die gesamte Erstlaufzeit selbst. Was das für Wohnungsunternehmen und Verwalter bedeutet, ordnet die Übersicht für die Wohnungswirtschaft ein; die mietrechtlichen Grundlagen sammelt der Beitrag zum Contracting im Mietrecht.
Diese Darstellung gibt den Stand der veröffentlichten Entscheidungsgründe wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Rechtsprechung und Normgeschichte zu § 556c BGB
§ 556c BGB ist eine vergleichsweise junge Norm mit überschaubarer höchstrichterlicher Rechtsprechung. Die folgende Übersicht nennt nur gesicherte Stationen; Instanzentscheidungen zu Einzelfragen der WärmeLV sind uneinheitlich und hier bewusst nicht aufgeführt.
| Zeitpunkt | Station | Kernaussage für die Praxis |
|---|---|---|
| vor 2013 | Keine gesetzliche Regelung | Die Umstellung laufender Mietverhältnisse auf Contracting ließ sich ohne mietvertragliche Grundlage oder Zustimmung der Mieter regelmäßig nicht umlegen – der Anlass für die gesetzliche Regelung. |
| 2013 | Mietrechtsänderungsgesetz führt § 556c BGB ein | Erstmals gesetzlicher Umstellungsanspruch mit Effizienz- und Kostenneutralitätsvorbehalt. |
| 1. Juli 2013 | Wärmelieferverordnung (WärmeLV) tritt in Kraft | Rechenweg des Kostenvergleichs (§§ 8–10) und Inhalt der Umstellungsankündigung (§ 11) werden verbindlich. |
| Vorinstanz | Landgericht Berlin II, Berufungsurteile in den späteren BGH-Verfahren | Vom BGH aufgehoben und zurückverwiesen. |
| 20. Mai 2026 | BGH, VIII ZR 46/25 und VIII ZR 47/25 | § 556c BGB gilt nur, wenn Mieter die Wärmekosten schon vorher als Betriebskosten trugen; bei Selbstversorgung (entschieden für Elektro-Einzelöfen; Übertragung auf Etagenheizungen naheliegend, aber nicht ausdrücklich entschieden) weder unmittelbar noch analog anwendbar. Details im Abschnitt zum BGH-Urteil. |
Parallel hat sich das energierechtliche Umfeld verändert: Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) anstelle des GEG. An § 556c BGB selbst hat das nichts geändert – für die Umlage auf Mieter bleiben Effizienz, Kostenneutralität und Ankündigung die Prüfsteine. Welche Fördermittel eine Umstellung zusätzlich tragen können, zeigt die Übersicht zu Fördermitteln für Heizung und Wärmenetze.
Wärmecontracting auf Mieter umlegen: Welche Positionen dürfen in die Abrechnung?
Ist die Umstellung wirksam, folgt die zweite Frage: Welche Positionen aus dem Wärmeliefervertrag dürfen tatsächlich in die Betriebskostenabrechnung? Maßgeblich ist § 2 Nr. 4 Buchstabe c BetrKV – die Kosten der eigenständig gewerblichen Lieferung von Wärme – sowie § 2 Nr. 5 Buchstabe b BetrKV für Warmwasser. Erfasst ist das Entgelt für die Wärmelieferung samt Betrieb der zugehörigen Hausanlagen, nicht mehr und nicht weniger. Die Verteilung auf die Wohneinheiten richtet sich unverändert nach der Heizkostenverordnung, also überwiegend nach erfasstem Verbrauch.
| Position | Umlagefähig? | Begründung |
|---|---|---|
| Grundpreis der Wärmelieferung (je kW und Jahr) | ja | Bestandteil des Wärmelieferentgelts nach § 2 Nr. 4 c BetrKV. |
| Arbeitspreis (je kWh) | ja | Verbrauchsabhängiger Teil des Entgelts, Verteilung nach HeizkostenV. |
| Mess- und Abrechnungspreis | ja | Kosten der Verbrauchserfassung und der Abrechnung sind Betriebskosten. |
| Instandhaltung und Reparatur der Wärmeerzeugung | nicht gesondert | Sie stecken kalkulatorisch im Wärmepreis. Als eigene Zeile in der Abrechnung sind sie unzulässig – Instandhaltung ist keine Betriebskostenart. |
| Einmaliger Baukostenzuschuss oder Anschlusskostenbeitrag | nein | Einmalige Investitionsbeiträge sind keine laufend entstehenden Betriebskosten. |
| Verwaltungsaufwand des Vermieters | nein | Verwaltungskosten zählen im Wohnraummietrecht ausdrücklich nicht zu den Betriebskosten. |
| Differenzbetrag oberhalb der Kostenneutralitätsgrenze | nein | Er verbleibt beim Vermieter, auch wenn der Wärmeliefervertrag ihn ausweist. |
Der letzte Punkt ist der teuerste: Ist die Kostenneutralität verfehlt, wird der Wärmeliefervertrag nicht unwirksam – umlagefähig ist lediglich der Betrag bis zur Vergleichsgrenze, die Differenz trägt der Eigentümer über die gesamte Laufzeit. Genau deshalb gehört die Preisgleitklausel an die Entwicklung der Vergleichskosten gekoppelt und nicht allein an einen Energieindex. Wie solche Klauseln aufgebaut sind, erläutert der Beitrag zur Preisgleitklausel im Contracting-Vertrag.
Häufige Fehler bei der Umstellung nach § 556c BGB
- Anwendungsbereich nicht geprüft: Die Vergleichsrechnung wird erstellt, obwohl die Mieter vorher per Etagenheizung selbst versorgt waren – nach BGH vom 20.05.2026 greift § 556c BGB dann gar nicht.
- Jahresnutzungsgrad pauschal angesetzt: Ein zu hoch geschätzter Nutzungsgrad vergrößert die Wärmemenge und senkt die zulässige Preisobergrenze; eine Kurzzeitmessung nach § 10 Abs. 2 WärmeLV ist belastbarer.
- Preise nicht indexiert: Heutige Wärmepreise werden gegen alte Brennstoffkosten gestellt, statt sie nach § 10 Abs. 3 WärmeLV auf den letzten Abrechnungszeitraum zurückzurechnen.
- Ankündigung unvollständig: Preisänderungsklausel oder Rechenannahmen fehlen, der Zugang ist nicht dokumentiert – die Einwendungsfrist der Mieter läuft dann nicht an.
- Frist knapp gerechnet: Drei Monate ab Zugang, nicht ab Absendung. Wer am Stichtag umstellt und spät versendet, riskiert die Umlage.
- Warmwasser und Heizung vermischt: Die Umlagegrundlage kann für einen Teil bestehen und für den anderen fehlen, etwa bei dezentralen Durchlauferhitzern.
- Gewerbe wie Wohnraum behandelt: Im Gewerbemietvertrag wird auf Gestaltungsspielraum verzichtet, obwohl § 578 Abs. 2 BGB abweichende Vereinbarungen erlaubt.
Für wen sich eine Umstellung nach § 556c BGB lohnt – und für wen nicht
| Lohnt sich meist | Lohnt sich meist nicht |
|---|---|
| Zentrale Altanlage mit niedrigem Jahresnutzungsgrad, Heizkosten bereits als Betriebskosten umgelegt | Bestände mit Gasetagenheizungen ohne Umlagevereinbarung (BGH 2026) |
| Größere Objekte ab etwa 150.000 kWh Jahresverbrauch, in denen sich Effizienzgewinne in Euro auszahlen | Kleine Objekte, bei denen Grund- und Messpreis den Effizienzgewinn aufzehren |
| Anschluss an ein effizientes Wärmenetz oder Ersatz durch Wärmepumpe oder BHKW | Junge, bereits sehr effiziente Kessel, bei denen kaum Spielraum unter der Kostenneutralitätsgrenze bleibt |
| Eigentümer, die Investition, Betriebspflicht und Instandhaltungsrisiko auslagern wollen | Eigentümer, die eine Mieterhöhung über die bisherigen Heizkosten hinaus erwarten – die lässt § 556c BGB nicht zu |
Ob sich ein Objekt eignet, zeigt zuerst der Rechner oben und dann eine Angebotsrechnung. Die Grundlagen des Modells erklären die Beiträge zum Wärmecontracting, zum Heizungscontracting und zum Energie-Contracting; die Vertragsformen ordnen die Contracting-Modelle ein. Unser Leistungsangebot beschreibt Wärmecontracting von Green Contracting; weitere Werkzeuge finden Sie in der Rechner-Übersicht.
Checkliste für Eigentümer: umlagefähig oder nicht?
Die folgende Checkliste fasst die Prüfpunkte für eine umlagefähige Umstellung zusammen:
- Sieht der Mietvertrag eine Umlage der Betriebskosten vor?
- Handelt es sich um eine Umstellung aus dem Eigenbetrieb (dann §556c BGB) oder um Neubau bzw. einen bereits bestehenden Wärmeliefervertrag?
- Wird die Wärme mit verbesserter Effizienz aus einer neuen Anlage oder aus einem Wärmenetz geliefert?
- Übersteigen die künftigen Wärmelieferkosten die bisherigen Betriebskosten nicht (Kostenneutralität nachgewiesen)?
- Liegt eine fristgerechte Ankündigung in Textform mindestens drei Monate vorher vor?
- Sind Vergleichsrechnung, Effizienznachweis und Zugang der Ankündigung dokumentiert?
Werden alle Punkte bejaht, ist die Umlage der Wärmelieferkosten regelmäßig zulässig. Bleibt ein Punkt offen, besteht das Risiko, dass die Kosten beim Eigentümer verbleiben.

Wärmelieferung im Mietshaus
Umlage nach § 556c BGB, Kostenneutralität, WEG und Heizungsmiete
Das bekommen Sie
- 5 Kapitel aus dem Kesselhaus-Podcast als Lese-Report
- Alle Kennzahlen mit Rechenbeispiel aus dem Podcast
- Checkliste „Was Sie morgen prüfen sollten“ in jedem Kapitel
- Direktlinks zu den kostenlosen Rechnern
Inhalt
- 01§ 556c BGB: Kostenneutralität richtig rechnen
- 02Kostenneutralität § 556c BGB: Der Rechner im Praxistest
- 03Contracting Wohnungswirtschaft: Umlage nach § 556c BGB
- 04Heizung mieten: Nachteile und Umlage auf Mieter
Häufige Fragen zu § 556c BGB und zur Umlagefähigkeit
Wann ist Wärme-Contracting auf Mieter umlagefähig?
Wärme-Contracting ist als Betriebskosten umlagefähig, wenn der Mietvertrag eine Betriebskostenumlage vorsieht und bei einer Umstellung vom Eigenbetrieb auf Wärmelieferung die Voraussetzungen des §556c BGB erfüllt sind: Lieferung mit verbesserter Effizienz aus einer neuen Anlage oder einem Wärmenetz, Einhaltung der Kostenneutralität und fristgerechte Ankündigung in Textform mindestens drei Monate vorher.
Was bedeutet das Kostenneutralitätsgebot nach §556c BGB?
Das Kostenneutralitätsgebot besagt, dass die umgelegten Wärmelieferkosten die Betriebskosten der bisherigen Eigenversorgung nicht übersteigen dürfen. Maßgeblich sind die Kosten, die im Eigenbetrieb angefallen wären. Die Mieter dürfen durch die Umstellung also nicht schlechter gestellt werden als zuvor.
Muss die Umstellung auf Contracting den Mietern angekündigt werden?
Ja. Nach §556c Abs. 2 BGB in Verbindung mit der WärmeLV muss der Vermieter die Umstellung spätestens drei Monate vorher in Textform ankündigen. Die Ankündigung muss insbesondere Angaben zur Effizienzverbesserung und einen Vergleich der bisherigen und künftigen Kosten enthalten.
Darf der Vermieter die Mehrkosten des Contractings umlegen?
Bei einer Umstellung im Bestand nein: Übersteigen die Wärmelieferkosten die bisherigen Betriebskosten, ist das Kostenneutralitätsgebot verletzt und die Mehrkosten sind nicht umlagefähig. Anders liegt es, wenn von Beginn an ein Wärmeliefervertrag besteht oder im Neubau direkt mit Wärmelieferung kalkuliert wird – dann gilt §556c BGB nicht.
Was hat der BGH 2026 zur Umlage von Wärmecontracting-Kosten entschieden?
Der BGH entschied am 20. Mai 2026 (VIII ZR 46/25 und 47/25): Versorgten sich Mieter bisher selbst – etwa über Nachtspeicheröfen oder Durchlauferhitzer – und trugen die Heizkosten nicht als Betriebskosten, greift §556c BGB nicht. Der Vermieter kann die vollen Contracting-Kosten dann nicht ohne Weiteres umlegen; umlagefähig ist allenfalls der Kostenanteil, der bei zentraler Eigenversorgung ohnehin angefallen wäre. §556c BGB ermöglicht keinen Einstieg in eine zuvor nicht bestehende Heizkostenpflicht.
Gilt § 556c BGB auch bei Gasetagenheizungen?
Ausdrücklich entschieden ist das nicht. Der BGH hat am 20. Mai 2026 (VIII ZR 46/25, VIII ZR 47/25) über Wohnungen mit Elektro-Einzelöfen und Warmwasserboilern geurteilt, deren Kosten die Mieter selbst trugen: §556c BGB ist dann weder unmittelbar noch entsprechend anwendbar. Die Übertragung auf Gasetagenheizungen mit eigenem Liefervertrag liegt nahe, weil die Mieter auch hier die Wärmekosten vor der Umstellung nicht als Betriebskosten trugen. Wer sicher gehen will, plant die Umlage der Wärmelieferkosten in diesem Fall über eine Vereinbarung mit den Mietern.
Was können Vermieter tun, wenn § 556c BGB nicht anwendbar ist?
Drei Wege bleiben: eine Nachtragsvereinbarung mit ausdrücklicher Zustimmung der Mieter beziehungsweise die Regelung der Umlage in neuen Mietverträgen bei Fluktuation; eine Modernisierungsumlage nach §559 BGB, die aber eine eigene Investition des Vermieters voraussetzt und beim Energieliefer-Contracting ausscheidet, weil der Contractor investiert; oder eine Kalkulation, in der die Wärmelieferkosten beim Eigentümer bleiben und sich über die vermiedene Ersatzinvestition, die ausgelagerte Betriebspflicht und den Wegfall des Instandhaltungsrisikos rechnen.
Gilt §556c BGB auch im Neubau?
Nein. §556c BGB regelt ausschließlich die Umstellung von einer bestehenden Eigenversorgung auf gewerbliche Wärmelieferung. Im Neubau oder bei Gebäuden, die von Anfang an über einen Wärmeliefervertrag versorgt werden, greift das Kostenneutralitätsgebot nicht; die Wärmelieferkosten sind dann nach den allgemeinen Regeln der Betriebskostenverordnung umlagefähig.
Kann der Vermieter beim Contracting zusätzlich eine Modernisierungsumlage nach §559 BGB verlangen?
Beim Energieliefer-Contracting nein. §556c BGB regelt die Umlage der laufenden Wärmelieferkosten als Betriebskosten, während §559 BGB eine Erhöhung der Grundmiete für eine Investition des Vermieters wäre. Da beim Contracting der Contractor investiert, entstehen dem Vermieter keine eigenen Modernisierungskosten – eine §559-Mieterhöhung entfällt. Mehr dazu im Beitrag Contracting & Modernisierungsumlage (§559/§559e BGB).
Was regelt § 556c BGB?
§ 556c BGB regelt die Umstellung von der Eigenversorgung mit Wärme auf gewerbliche Wärmelieferung (Contracting) im Wohnraummietrecht. Der Mieter trägt die Wärmelieferkosten nur dann als Betriebskosten, wenn die Wärme mit verbesserter Effizienz geliefert wird, die Kosten die bisherigen Betriebskosten der Eigenversorgung nicht übersteigen und die Umstellung drei Monate vorher in Textform angekündigt wurde.
Welche Verbrauchsdaten werden für den Kostenvergleich nach der WärmeLV herangezogen?
Nach § 9 WärmeLV ist der durchschnittliche Endenergieverbrauch der letzten drei Abrechnungszeiträume vor der Umstellungsankündigung maßgeblich. Dieser Durchschnittsverbrauch wird mit den Brennstoffpreisen des letzten Abrechnungszeitraums bewertet; die übrigen abgerechneten Betriebskosten der Wärme- und Warmwasserversorgung aus dem letzten Abrechnungszeitraum werden hinzugerechnet. Ein einzelnes Ausreißerjahr verzerrt den Vergleich deshalb nicht.
Gilt § 556c BGB auch für Gewerbemietverträge?
Ja, aber abdingbar: Nach § 578 Absatz 2 Satz 2 BGB sind § 556c Absatz 1 und 2 sowie die Wärmelieferverordnung auf Mietverhältnisse über Geschäftsräume entsprechend anzuwenden – abweichende Vereinbarungen sind dort jedoch ausdrücklich zulässig. Kostenneutralität und Ankündigungsfrist lassen sich im Gewerbemietvertrag also vertraglich abbedingen, im Wohnraummietrecht dagegen nicht (§ 556c Absatz 4 BGB). Für gemischt genutzte Objekte heißt das: Der Wärmeliefervertrag muss beide Regime abbilden.
Was gilt, wenn die Altanlage einen Jahresnutzungsgrad von mindestens 80 Prozent hat?
Dann greift die Ausnahme des § 556c Abs. 1 Satz 2 BGB: Der Wärmelieferant muss keine neue Anlage errichten, sondern kann sich auf die Verbesserung der Betriebsführung der bestehenden Anlage beschränken. Die übrigen Voraussetzungen – Kostenneutralität und fristgerechte Ankündigung – gelten unverändert. Für Bestände mit relativ neuen Kesseln ist das häufig der einzige gangbare Weg in eine umlagefähige Umstellung.
Wie wird der Jahresnutzungsgrad der alten Anlage bestimmt?
Nach § 10 Abs. 2 WärmeLV vorrangig anhand der im letzten Abrechnungszeitraum fortlaufend gemessenen Wärmemenge. Fehlt eine solche Messung, ist der Jahresnutzungsgrad durch Kurzzeitmessung zu ermitteln; erst wenn auch diese nicht durchgeführt wird, dürfen anerkannte Pauschalwerte herangezogen werden. Da der Jahresnutzungsgrad die Vergleichsrechnung unmittelbar steuert, sollten Eigentümer die Messung dokumentieren, statt auf Pauschalwerte auszuweichen.
Welche Contracting-Kosten dürfen in die Betriebskostenabrechnung?
Umlagefähig ist das Entgelt für die eigenständig gewerbliche Wärmelieferung nach § 2 Nr. 4 c BetrKV, also Grundpreis, Arbeitspreis sowie Mess- und Abrechnungspreis. Nicht umlagefähig sind einmalige Baukostenzuschüsse, der Verwaltungsaufwand des Vermieters, gesondert ausgewiesene Instandhaltungspositionen und jeder Betrag oberhalb der Kostenneutralitätsgrenze. Verteilt wird nach der Heizkostenverordnung, also überwiegend verbrauchsabhängig.
Gibt es einen Rechner für die Kostenneutralität nach § 556c BGB?
Ja. Der Kostenneutralitäts-Schnellrechner auf dieser Seite ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar: Sie tragen Endenergieverbrauch, Brennstoffpreis, übrige Betriebskosten und den Jahresnutzungsgrad Ihrer Altanlage ein, daneben Grundpreis, Anschlussleistung und Arbeitspreis aus dem Contracting-Angebot. Der Rechner stellt beide Summen gegenüber und zeigt sofort, ob das Angebot die Grenze des § 556c Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BGB einhält – inklusive der Mehrkosten je Wohneinheit und Monat und der 80-Prozent-Weiche für Betriebsführungs-Contracting. Für die verbindliche Vergleichsrechnung sind anschließend die geprüften Abrechnungsdaten der letzten drei Perioden nötig.
Was muss im Mietvertrag stehen, damit auf Wärmecontracting umgestellt werden darf?
§ 556c Absatz 1 Satz 1 BGB setzt voraus, dass der Mieter die Betriebskosten für Wärme oder Warmwasser zu tragen hat. Der Mietvertrag muss also eine Betriebskostenumlage für Heizung und Warmwasser vorsehen. Bei einer Bruttowarmmiete, in der die Heizkosten pauschal in der Miete enthalten sind, fehlt diese Voraussetzung – dann greift § 556c BGB nicht.
Wo finde ich den Gesetzestext von § 556c BGB?
Die amtliche Fassung veröffentlicht das Bundesministerium der Justiz auf gesetze-im-internet.de unter der Adresse gesetze-im-internet.de/bgb/__556c.html. Auf dieser Seite ist der Wortlaut aller vier Absätze wiedergegeben und Absatz für Absatz erläutert. Die Einzelheiten der Kostenvergleichsrechnung und der Umstellungsankündigung stehen nicht im BGB selbst, sondern in der Wärmelieferverordnung (WärmeLV), die auf § 556c Abs. 3 BGB beruht.
Welche zwei Voraussetzungen nennt § 556c Abs. 1 BGB?
Erstens die Effizienz (Nr. 1): Die Wärme muss mit verbesserter Effizienz aus einer vom Wärmelieferanten errichteten neuen Anlage oder aus einem Wärmenetz geliefert werden; bei einem Jahresnutzungsgrad der Altanlage von mindestens 80 Prozent genügt die Verbesserung der Betriebsführung. Zweitens die Kostenneutralität (Nr. 2): Die Kosten der Wärmelieferung dürfen die Betriebskosten der bisherigen Eigenversorgung mit Wärme oder Warmwasser nicht übersteigen. Hinzu kommt als formelle Voraussetzung die Umstellungsankündigung nach Abs. 2.
Ist § 556c BGB zwingendes Recht?
Im Wohnraummietrecht ja. Nach § 556c Abs. 4 BGB ist eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung unwirksam. Kostenneutralität, Effizienzanforderung und Ankündigungsfrist lassen sich im Wohnraummietvertrag also nicht wegvereinbaren; für den Mieter günstigere Regelungen bleiben möglich. Für Geschäftsräume erklärt § 578 Abs. 2 BGB § 556c Abs. 1 und 2 samt WärmeLV zwar für entsprechend anwendbar, lässt abweichende Vereinbarungen aber ausdrücklich zu.
Gilt § 556c BGB auch beim Anschluss an Fernwärme?
Ja. § 556c Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BGB nennt neben der neu errichteten Anlage ausdrücklich die Lieferung aus einem Wärmenetz. Nach dem Wortlaut muss das Netz nicht neu sein. Auch beim Fernwärmeanschluss muss die Wärme aber mit verbesserter Effizienz geliefert werden, die Kostenneutralität nach der WärmeLV eingehalten und die Umstellung drei Monate vorher in Textform angekündigt werden.
Was ist eine Wärmelieferung im Sinne von § 556c BGB?
§ 556c Abs. 1 Satz 1 BGB definiert die Wärmelieferung selbst: die eigenständig gewerbliche Lieferung von Wärme durch einen Wärmelieferanten. Gemeint ist ein Contractor oder Wärmeversorger, der die Anlage auf eigene Rechnung betreibt und Wärme gegen Entgelt liefert. Die Gegenfigur ist die Eigenversorgung, bei der der Vermieter die Heizungsanlage selbst betreibt und die Brennstoff- und Betriebskosten abrechnet.
Was passiert, wenn die Voraussetzungen des § 556c BGB nicht erfüllt sind?
Dann trägt der Mieter die Kosten der Wärmelieferung nicht auf Grundlage von § 556c BGB als Betriebskosten. Der Wärmeliefervertrag zwischen Vermieter und Contractor bleibt davon unberührt – der Vermieter muss den Contractor weiter bezahlen, kann die Kosten aber nicht oder nicht vollständig weitergeben. Bei einer fehlerhaften Ankündigung beginnt die Einwendungsfrist des Mieters gegen die Abrechnung nach § 11 Abs. 3 WärmeLV erst mit Zugang einer ordnungsgemäßen Ankündigung.
Seit wann gilt § 556c BGB?
§ 556c BGB wurde mit dem Mietrechtsänderungsgesetz 2013 eingeführt. Die Umstellungsregeln sind zusammen mit der Wärmelieferverordnung seit dem 1. Juli 2013 anwendbar. Seitdem gibt es für die Umstellung laufender Mietverhältnisse auf Wärmecontracting eine gesetzliche Grundlage; die Rechtsprechung davor hatte die Umlage ohne vertragliche Grundlage regelmäßig abgelehnt.
Muss der Mieter der Umstellung auf Contracting zustimmen?
Nein. Sind die Voraussetzungen des § 556c BGB erfüllt – verbesserte Effizienz, Kostenneutralität nach der WärmeLV und eine Umstellungsankündigung in Textform spätestens drei Monate vorher –, darf der Vermieter auch ohne Zustimmung der Mieter auf Wärmelieferung umstellen und die Kosten als Betriebskosten umlegen. Fehlt eine Voraussetzung, müssen die Mieter die Mehrkosten der Wärmelieferung nicht tragen.
Darf der Vermieter beim BHKW auch den Brennstoff für den Strom auf Mieter umlegen?
Nein. Umlagefähig sind nur die Brennstoffkosten, die auf die Wärmeerzeugung entfallen; der Stromanteil gehört nicht dazu (so der Berliner Mieterverein). Wie sich der Wärmeanteil errechnet, beschreibt die Richtlinie VDI 2077 Blatt 3.1. Beim Wärmecontracting zahlt der Mieter dagegen nur die gelieferte Wärme zum vereinbarten Preis.
Prüfschema: Dürfen Sie die Wärmelieferkosten umlegen?
Fünf Fragen entlang des § 556c BGB. Erst wenn alle fünf mit Ja beantwortet sind, ist die Umlage auf Wohnraummieter zulässig.
1. Trugen die Mieter die Wärmekosten schon vor der Umstellung als Betriebskosten?
Kern der BGH-Entscheidungen vom 20.05.2026: Versorgten sich die Mieter bisher selbst, etwa über Nachtspeicher oder Durchlauferhitzer, greift § 556c BGB nicht.
2. Handelt es sich um eine Umstellung vom Eigenbetrieb auf gewerbliche Wärmelieferung?
Im Neubau oder bei von Anfang an vereinbarter Wärmelieferung gilt § 556c BGB nicht – dann richtet sich die Umlage nach den allgemeinen Regeln der BetrKV.
3. Wird die Wärme aus einer neu errichteten Anlage, einem Wärmenetz oder – ab 80 % Jahresnutzungsgrad – aus verbesserter Betriebsführung geliefert?
Ein bloßer Betreiberwechsel an der unveränderten Altanlage genügt im Grundfall nicht.
4. Liegen die Wärmelieferkosten nicht über den bisherigen Betriebskosten?
Der Rechner weiter oben auf dieser Seite beantwortet diese Frage für Ihr konkretes Angebot.
5. Wurde die Umstellung mindestens drei Monate vorher in Textform angekündigt?
Die Ankündigung muss Effizienzverbesserung und Kostenvergleich nachvollziehbar darstellen. Formfehler verschieben mindestens den Beginn der Einwendungsfrist (§ 11 Abs. 3 WärmeLV).
Umlagefähigkeit im Video erklärt
Transkript lesen
Wann dürfen Vermieter die Wärmekosten auf Mieter umlegen? Drei Bedingungen zählen. Nötig sind Effizienzgewinn, Kostenneutralität und eine Ankündigung in Textform. Kostenneutral heißt: Die Wärmekosten dürfen die bisherigen Betriebskosten nicht übersteigen. Ab achtzig Prozent Jahresnutzungsgrad genügt bessere Betriebsführung statt Neubau. Wichtig: Bei vorheriger Selbstversorgung der Mieter greift die Umlage nicht. Prüfen Sie die Kostenneutralität – auf contracting.green.
Quellen
- § 556c BGB – Kosten der Wärmelieferung als Betriebskosten, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- Wärmelieferverordnung (WärmeLV) – Inhaltsverzeichnis, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 8 WärmeLV – Kostenvergleich vor Umstellung auf Wärmelieferung, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 9 WärmeLV – Ermittlung der Betriebskosten der Eigenversorgung, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 10 WärmeLV – Ermittlung der Kosten der Wärmelieferung, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 11 WärmeLV – Umstellungsankündigung des Vermieters, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- BGH, Urteile vom 20.05.2026 – VIII ZR 46/25 und VIII ZR 47/25 (Pressemitteilung Nr. 090/2026), Bundesgerichtshof, abgerufen am 03.10.2026
- § 2 BetrKV – Aufstellung der Betriebskosten, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 556 BGB – Vereinbarungen über Betriebskosten, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 578 BGB – Mietverhältnisse über Grundstücke und Räume, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 126b BGB – Textform, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 559 BGB – Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- § 559e BGB – Mieterhöhung nach Einbau oder Aufstellung einer Heizungsanlage, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
- Heizkostenverordnung (HeizkostenV) – Inhaltsverzeichnis, Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), abgerufen am 03.10.2026
Weiterführend
Umlagefähigkeit Ihres Bestands rechtssicher prüfen
Wir bewerten für Ihr Portfolio, ob eine Umstellung auf Wärme-Contracting die Anforderungen des §556c BGB erfüllt – mit belastbarer Kostenneutralitätsrechnung und sauberer Ankündigung.
Kostenlose Analyse starten