Kommunen · Gebäude & Einrichtungen

    Energiekosten im Krankenhaus: Was kommunale Träger tun können

    Stand: 11. Oktober 2026

    Wie können kommunale Träger die Energiekosten im Krankenhaus senken?

    Kommunale Träger senken die Energiekosten im Krankenhaus vor allem über eine effiziente Energiezentrale, etwa ein BHKW, das Strom und Wärme zugleich erzeugt. Weil das Investitionsbudget knapp ist, lagern viele Häuser die Energiezentrale an einen Contractor aus. Er investiert, betreibt die Anlage mit Redundanz und verkauft Wärme, Strom oder Kälte.

    Die Energiekosten im Krankenhaus sind für kommunale Träger ein doppeltes Problem. Die Klinik braucht rund um die Uhr Wärme, Strom, Dampf und Kälte. Gleichzeitig schreiben viele Häuser Verluste, die Landkreise und Städte aus ihren Haushalten ausgleichen müssen. Jeder Euro, der in die Energiezentrale fließt, fehlt dann an anderer Stelle.

    Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft stellten 2024 nach Destatis 46,8 % aller Krankenhausbetten in Deutschland. Diese Seite zeigt den kommunalen Blick auf die Energieversorgung. Technik und Modelle für Kliniken allgemein finden Sie unter Contracting für Krankenhäuser.

    • 46,8 %der Krankenhausbetten in öffentlicher Trägerschaft (528 Häuser)Quelle: Destatis, 11/2025 (Daten 2024)
    • 25.000–29.000 kWhWärmeverbrauch je Bett und Jahr, dazu 6.000–10.000 kWh StromQuelle: Bundestag WD 5, 06/2023
    • 2,1 Mrd. €Ausgaben der Krankenhäuser für Energie und Wasser 2021Quelle: Bundestag WD 5 nach Destatis

    Wie hoch sind die Energiekosten im Krankenhaus?

    Nach einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags (2023) verbrauchen Krankenhäuser je Bett und Jahr etwa 6.000 bis 10.000 kWh Strom und 25.000 bis 29.000 kWh Wärme. Ein Haus mit 300 Betten kommt damit rechnerisch auf 7,5 bis 8,7 Mio. kWh Wärme im Jahr. Rund die Hälfte der Energiekosten entfällt auf Strom.

    2021 gaben die Krankenhäuser für Energie und Wasser rund 2,1 Mrd. € aus, das waren 4,4 % der Sachkosten. Mit der Energiekrise stiegen die Kosten stark: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft rechnete Ende 2022 modellhaft mit 3,79 Mrd. € für 2022 und 6,44 Mrd. € für 2023. Das war eine Prognose, keine abgerechnete Zahl. Sie zeigt, wie empfindlich Kliniken auf Preissprünge reagieren.

    Kommunale Krankenhäuser unter Druck

    Viele Kliniken sind wirtschaftlich angeschlagen. Nach Branchenberichten schrieben 2024 rund zwei Drittel der Krankenhäuser Verluste, das Gesamtdefizit wird auf 12,7 Mrd. € beziffert. Für 2025 werden 23 Insolvenzverfahren mit 36 Standorten genannt. Diese Zahlen stammen aus Sekundärquellen und sind als Größenordnung zu verstehen.

    Für kommunale Träger bedeutet das: Defizite werden aus dem Haushalt ausgeglichen, und das gelingt immer seltener. Der Transformationsfonds des Bundes mit bis zu 50 Mrd. € ab 01.01.2026 ist projektbezogen und an die Umstrukturierung der Krankenhauslandschaft gebunden. Eine Energiezentrale an einem Standort, dessen Zukunft offen ist, lässt sich darüber nicht ohne Weiteres finanzieren.

    Klinik-Energieversorgung: Dampf, Kälte, Redundanz

    Eine Klinik braucht mehr als Raumwärme. Sterilgutaufbereitung, Küche und Wäscherei verlangen oft Dampf oder hohe Temperaturen. OP-Säle, Intensivstationen, Labore und Großgeräte brauchen Kälte, auch im Winter. Dazu kommt Trinkwarmwasser mit hohen Hygieneanforderungen.

    Weil ein Ausfall Patienten gefährdet, muss die Versorgung redundant sein. Für die Stromseite schreibt die Norm für elektrische Anlagen in medizinisch genutzten Bereichen eine Sicherheitsstromversorgung vor. Ein BHKW ersetzt diese Netzersatzanlage nicht, kann sie aber ergänzen. Auf der Wärmeseite gehören mindestens zwei unabhängige Erzeuger zum Standard.

    • Wärme: Grundlast über BHKW oder Wärmepumpe, Spitzen- und Reservekessel
    • Dampf: eigener Dampferzeuger oder dezentrale Lösungen an den Verbrauchern
    • Kälte: Kompressionskälte, bei BHKW auch Absorptionskälte aus Abwärme
    • Strom: Netzbezug, BHKW-Eigenstrom, Netzersatzanlage für den Notbetrieb

    BHKW im Krankenhaus: Warum die Kraft-Wärme-Kopplung passt

    Ein Krankenhaus hat einen der gleichmäßigsten Lastgänge aller kommunalen Einrichtungen. Wärme und Strom werden Tag und Nacht, werktags wie am Wochenende gebraucht. Ein BHKW kommt dadurch auf sehr viele Betriebsstunden und ersetzt teuren Netzstrom durch eigenen Strom. Im Sommer kann die Abwärme über eine Absorptionskältemaschine Kälte erzeugen.

    Ein neues BHKW mit Erdgas muss das Gebäudemodernisierungsgesetz beachten. Seit dem 29.07.2026 gilt es statt des GEG, die 65-%-Pflicht ist entfallen. Neue Gas- und Ölheizungen müssen aber ab 2029 steigende Anteile Biomethan oder Wasserstoff nutzen. Das gehört in jede Wirtschaftlichkeitsrechnung über 15 oder 20 Jahre.

    Krankenhaus-Heizung per Contracting: das Budget für die Medizin freihalten

    Beim Energieliefer-Contracting plant, finanziert, baut und betreibt der Contractor die Energiezentrale. Das Krankenhaus kauft Wärme, Strom oder Kälte zu einem vertraglich festgelegten Preis. Das Investitionsbudget bleibt für Medizintechnik, Gebäude und Digitalisierung. Wartung, Störungsdienst rund um die Uhr und Ersatzteile liegen beim Contractor.

    Für den kommunalen Träger zählt auch das Haushaltsrecht. Bleibt die Anlage im Eigentum des Contractors, ist Wärmelieferung in der Regel kein kreditähnliches Rechtsgeschäft. Im Einzelfall entscheidet die Kommunalaufsicht, siehe Haushaltsrecht und Kommunalaufsicht. Die Förderung kann der Contractor über KfW 522 selbst beantragen. Ob sich das Modell gegenüber der Eigeninvestition rechnet, zeigt ein Wirtschaftlichkeitsvergleich.

    Häufige Fragen

    Wie viel Energie verbraucht ein Krankenhaus pro Bett?

    Nach einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags etwa 6.000 bis 10.000 kWh Strom und 25.000 bis 29.000 kWh Wärme je Bett und Jahr. Große Häuser mit vielen Großgeräten liegen beim Strom eher am oberen Ende.

    Lohnt sich ein BHKW im Krankenhaus?

    Häufig ja, weil Wärme und Strom gleichmäßig über das ganze Jahr gebraucht werden. Das ergibt viele Betriebsstunden. Wie hoch der Vorteil ist, hängt vom Lastgang, den Energiepreisen und dem Anteil des selbst genutzten Stroms ab.

    Ersetzt ein BHKW die Notstromversorgung?

    Nein. Die vorgeschriebene Sicherheitsstromversorgung bleibt. Ein BHKW kann sie ergänzen und bei entsprechender Auslegung im Inselbetrieb weiterlaufen. Das muss in der Planung ausdrücklich vorgesehen werden.

    Kann ein kommunales Krankenhaus Contracting ohne Ausschreibung vergeben?

    In der Regel nicht. Kommunale Krankenhäuser sind meist öffentliche Auftraggeber. Wegen der langen Laufzeit liegt der Auftragswert fast immer über dem EU-Schwellenwert. Details unter Vergabe von Contracting.

    Wer trägt beim Contracting das Ausfallrisiko?

    Für die Erzeugungsanlagen der Contractor, im Rahmen der vertraglichen Zusagen zu Verfügbarkeit und Reaktionszeit. Für die Verteilung im Haus und die Medizintechnik bleibt das Krankenhaus zuständig. Die Schnittstellen gehören klar in den Vertrag.

    Welche Förderung gibt es für die Energiezentrale einer Klinik?

    Für Heizungstechnik kommt die BEG-Einzelmaßnahmenförderung in Frage, für Kommunen KfW 422, für Unternehmen und Contractoren KfW 522. Für KWK-Strom gibt es den Zuschlag nach dem KWKG. Doppelförderung derselben Kosten ist ausgeschlossen.

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    Inhalt

    1. 01Die Lage der Kommunen 2026 in Zahlen
    2. 02Benchmark: Wärmekennwerte kommunaler Gebäude
    3. 03Welche Gesetze jetzt gelten
    4. 04Fristen-Kalender 2026 bis 2030

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