Was muss ein Contracting-Wirtschaftlichkeitsvergleich enthalten?
Ein Contracting-Wirtschaftlichkeitsvergleich stellt die Eigenrealisierung der Wärmeversorgung der Wärmelieferung über die gesamte Laufzeit gegenüber. Er enthält Investition, Förderung, Finanzierung, Energie, Instandhaltung, Personal und Risiken. Alle Zahlungen werden mit der Barwertmethode auf heute abgezinst. In allen Bundesländern ist dieser Vergleich Voraussetzung für Contracting.
Ohne Contracting-Wirtschaftlichkeitsvergleich kommt kein Vertrag durch Rat und Kommunalaufsicht. Die dena hat 2024 die Regeln aller 16 Länder ausgewertet: Überall gehört der Vergleich gegen die Eigenrealisierung zu den Mindestanforderungen, und zwar mit allen Vertragsbestandteilen.
In der Praxis scheitern Vergleiche selten an der Rechnung, sondern an dem, was fehlt. Wer nur den Wärmepreis des Contractors mit den heutigen Brennstoffkosten vergleicht, rechnet die eigene Heizung schön. Diese Seite zeigt, was hinein gehört, und enthält einen Rechner für einen ersten Barwertvergleich.
Warum der Wirtschaftlichkeitsvergleich Pflicht ist
Kommunen müssen nach dem Gemeindehaushaltsrecht wirtschaftlich und sparsam handeln. Bei Investitionen von erheblicher Bedeutung verlangen die Gemeindehaushaltsverordnungen der Länder einen Vergleich der Varianten. Für Contracting nennt die dena-Analyse den Vergleich gegen die Eigenrealisierung als Mindestanforderung in allen Ländern, neben Aufgabenbezug, Leistungsfähigkeit und Vergaberecht.
Der Vergleich dient auch der haushaltsrechtlichen Einordnung. Ob ein Vertrag als kreditähnlich gilt oder als Geschäft der laufenden Verwaltung, hängt in einigen Ländern davon ab, ob Contracting nicht teurer ist als die bisherige Versorgung. Details finden Sie unter Haushaltsrecht und Kommunalaufsicht.
Was in einen fairen Vergleich Eigenbau gegen Contracting gehört
Ein fairer Vergleich betrachtet den gesamten Lebenszyklus der Anlage, nicht nur das erste Jahr. Auf der Seite der Eigenrealisierung stehen alle Kosten, die bei der Kommune anfallen, auch die, die heute in anderen Haushaltsstellen versteckt sind.
| Position | Eigenbau (Kommune) | Wärmelieferung (Contractor) |
|---|---|---|
| Investition | Kommune finanziert, abzüglich Förderung (KfW 422) | Contractor finanziert, abzüglich Förderung (KfW 522) |
| Finanzierung | Kommunalkredit mit Zins und Tilgung | im Grundpreis enthalten |
| Energie/Brennstoff | Einkauf durch die Kommune | im Arbeitspreis enthalten |
| Wartung und Instandhaltung | eigene Aufträge, Rücklagen für Reparaturen | im Grundpreis enthalten |
| Personal und Betrieb | Bauamt, Hausmeister, Störungsdienst, Ausschreibungen | beim Contractor |
| Risiken | Ausfall, Kostensteigerung, Planungsfehler | überwiegend beim Contractor, vertraglich geregelt |
| Restwert/Endschaft | Anlage bleibt bei der Kommune | Übernahme, Verlängerung oder Rückbau nach Vertrag |
Vereinfachte Darstellung. Welche Positionen tatsächlich enthalten sind, ergibt sich aus dem konkreten Angebot.
Rechner: Eigenrealisierung oder Wärmeliefer-Contracting?
Barwertvergleich über den Betrachtungszeitraum. Die Vorgaben sind Beispielwerte, keine Angebotspreise. Tragen Sie die Zahlen Ihrer Liegenschaft ein.
| Ergebnis über 15 Jahre | Barwert |
|---|---|
| Eigenrealisierung (davon Investition nach Förderung: 224.000 €) | 913.634 € |
| Wärmeliefer-Contracting | 878.432 € |
| Vorteil Contracting | 35.203 € |
Vereinfachte Rechnung: Investition in Jahr 0, Kreditzins als Kalkulationszins, gleiche Preissteigerung für alle laufenden Kosten. Nicht enthalten sind Restwert, Ersatzinvestitionen, Ausfallrisiken und ein CO2-Schattenpreis (in Baden-Württemberg vorgeschrieben). Für die Kommunalaufsicht erstellen wir den vollständigen Vergleich mit allen Vertragsbestandteilen.
Typische Fehler im Wirtschaftlichkeitsvergleich
Die dena kritisiert in ihrer Analyse, dass oft nur kurzfristig gerechnet wird. Dann wirkt die Eigenrealisierung günstiger, weil Instandhaltung, Personal und Risiken in späteren Jahren fehlen. Auch rechtliche Pflichten verschieben den Maßstab: Wer nach dem Energieeffizienzgesetz jährlich Energie einsparen muss, kann nicht mit einem unveränderten Weiterbetrieb rechnen.
- Nur das erste Jahr betrachtet statt die volle Vertragslaufzeit
- Eigenes Personal für Planung, Ausschreibung und Störungsdienst mit null angesetzt
- Instandhaltung und Ersatzinvestitionen vergessen
- Förderung nur auf einer Seite berücksichtigt
- Zahlungen unterschiedlicher Jahre ohne Abzinsung addiert
- Preissteigerungen nur beim Contractor, nicht beim eigenen Brennstoffeinkauf angenommen
Die Barwertmethode einfach erklärt
Ein Euro in zehn Jahren ist heute weniger wert als ein Euro heute. Die Barwertmethode rechnet deshalb jede künftige Zahlung mit einem Zinssatz auf den heutigen Tag zurück: Zahlung im Jahr t geteilt durch (1 + Zins) hoch t. Die Summe aller abgezinsten Zahlungen ist der Barwert einer Variante. Die Variante mit dem niedrigeren Barwert ist wirtschaftlicher.
Als Zinssatz nehmen viele Kommunen den aktuellen Kommunalkreditzins oder einen von der Aufsicht vorgegebenen Kalkulationszins. Wichtig ist, dass beide Varianten mit demselben Zins und denselben Annahmen zu Energiepreis und Preissteigerung gerechnet werden.
Länderbesonderheiten: CO2-Schattenpreis in Baden-Württemberg
Baden-Württemberg verlangt in der Wirtschaftlichkeitsrechnung kommunaler Vorhaben einen CO2-Schattenpreis nach der CO2-Schattenpreis-Verordnung vom 15.02.2023. Damit werden die Emissionen einer Variante in Euro bewertet, und eine fossile Lösung wird im Vergleich teurer. Auch in der Vergabe dürfen Lebenszykluskosten und CO2-Kosten nach § 59 VgV berücksichtigt werden.
Andere Länder schreiben das nicht vor. Viele Kommunen nehmen eine CO2-Bewertung trotzdem auf, wenn der Rat eigene Klimaziele beschlossen hat. Prüfen Sie mit Ihrer Kommunalaufsicht, welche Vorgaben gelten.
Was Contracting im Vergleich leisten muss
Contracting ist nicht automatisch günstiger. Es lohnt sich für die Kommune, wenn der Barwert der Wärmelieferung über die Laufzeit nicht höher ist als der der Eigenrealisierung mit allen Kosten, oder wenn die Kommune die Investition schlicht nicht aus dem Haushalt stemmen kann. Grundlagen zum Vergleich finden Sie auch unter Contracting oder Eigeninvestition.
Beim Wärmeliefer-Contracting liegt die Anlage beim Contractor, Betrieb und Störungsdienst ebenfalls. Die Kommune braucht keine Investition aus dem Haushalt, und der Contractor kann die Förderung über KfW 522 selbst beantragen und in den Preis einrechnen. Green Contracting legt dafür alle Preisbestandteile offen, damit Kämmerei und Aufsicht nachrechnen können.
Häufige Fragen
Ist der Wirtschaftlichkeitsvergleich bei Contracting gesetzlich vorgeschrieben?
Ja, nach der dena-Analyse von 2024 ist er in allen 16 Ländern Mindestanforderung der Kommunalaufsicht. Die genaue Form ergibt sich aus dem Gemeindehaushaltsrecht des Landes. Im Einzelfall entscheidet die Kommunalaufsicht, welche Unterlagen sie verlangt.
Welchen Zinssatz nimmt man für die Barwertrechnung?
Üblich ist der aktuelle Zins für Kommunalkredite mit passender Laufzeit oder ein Kalkulationszins, den Land oder Aufsicht vorgeben. Entscheidend ist, dass beide Varianten mit demselben Zinssatz gerechnet werden.
Wie werden Personalkosten der Verwaltung angesetzt?
Mit dem realistischen Aufwand für Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung, Betrieb und Störungsdienst über die Laufzeit. Grundlage können eigene Kostenstellen oder übliche Personalkostensätze der Verwaltung sein. Wer diese Kosten weglässt, vergleicht nicht fair.
Wie fließt die Förderung in den Vergleich ein?
Auf beiden Seiten. Beim Eigenbau beantragt die Kommune etwa KfW 422 (30 % Grundförderung für Heizungstechnik). Beim Contracting kann der Contractor KfW 522 selbst beantragen und die Förderung in den Preis einrechnen. Doppelförderung derselben Kosten ist ausgeschlossen.
Ersetzt der Rechner auf dieser Seite den Vergleich für die Aufsicht?
Nein. Er zeigt eine erste Größenordnung mit Ihren Annahmen. Für Rat und Aufsicht braucht es einen Vergleich mit echten Angeboten, Verbrauchsdaten und den Vorgaben Ihres Landes. Er ersetzt keine haushaltsrechtliche Prüfung.
Liefert Green Contracting den Wirtschaftlichkeitsvergleich?
Ja. Wir rechnen Eigenbau gegen Wärmelieferung über die gesamte Laufzeit und legen Grund- und Arbeitspreis sowie die Annahmen offen, damit Kämmerei und Aufsicht jede Position prüfen können.
