Was kostet eine Handwerkerstunde?
Eine Handwerkerstunde kostet in der Beispielrechnung der Handwerkskammer Region Stuttgart 70,97 € netto und 84,45 € brutto (Stand 16.03.2026). Davon erhält der Geselle 22,00 € als Lohn. Der Rest deckt Lohnnebenkosten, Werkstatt, Fahrzeuge und Büro, die Mehrwertsteuer und einen Gewinn von 3,55 €. Je nach Gewerk und Region weicht der Satz ab.
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Was kostet eine Handwerkerstunde? Im Beispiel der Handwerkskammer: 84 Euro brutto. Aber nur 22 Euro davon bekommt der Geselle! Der Rest: Sozialversicherung, Werkstatt, Fahrzeuge – und am Ende bleiben dem Betrieb gerade mal 3,55 Euro Gewinn. Hättest du das gedacht?
Wie setzt sich der Stundensatz eines Handwerkers zusammen?
Der Stundensatz setzt sich so zusammen: Lohn des Gesellen 22,00 €, Lohnnebenkosten 18,45 €, Gemeinkosten 26,97 € und Gewinn 3,55 €. Das ergibt 70,97 € netto. Hinzu kommen 19 % Mehrwertsteuer, also 13,48 €. Brutto sind das 84,45 € pro Stunde.
Diese Aufteilung stammt aus einer Beispielrechnung der Handwerkskammer Region Stuttgart mit Stand 16.03.2026. Die Kammer betont selbst, dass es sich um ein Beispiel handelt. Echte Stundensätze hängen vom Gewerk, von der Region, von der Betriebsgröße und von der Ausstattung ab.
Die Rechnung zeigt aber gut, warum ein Stundensatz deutlich über dem Lohn liegen muss: Ein Betrieb bezahlt nicht nur die Arbeitszeit, sondern alles, was nötig ist, damit diese Arbeitszeit überhaupt beim Kunden stattfinden kann.
Wie viel verdient der Geselle von einer Handwerkerstunde?
Im Beispiel der Handwerkskammer erhält der Geselle 22,00 € Lohn pro Stunde. Das ist der Bruttolohn, von dem noch seine eigenen Abgaben abgehen. Von den 84,45 €, die der Kunde zahlt, landet also nur ein kleiner Teil auf dem Konto des Mitarbeiters.
Viele Kunden setzen den Stundensatz gedanklich mit dem Verdienst des Handwerkers gleich. Das führt schnell zu dem Eindruck, Handwerker seien überbezahlt. Die Beispielrechnung zeigt das Gegenteil: Der Lohn ist nicht einmal der größte Posten in der Kalkulation.
Am meisten kosten im Beispiel die Gemeinkosten mit 26,97 €. Dazu kommen 18,45 € Lohnnebenkosten, die ebenfalls direkt mit dem Mitarbeiter zusammenhängen.
Was sind Lohnnebenkosten und Gemeinkosten?
Lohnnebenkosten sind Kosten, die der Betrieb zusätzlich zum Lohn für den Mitarbeiter trägt, etwa Sozialversicherung, Urlaub und Lohnfortzahlung bei Krankheit. Im Beispiel sind das 18,45 € pro Stunde. Gemeinkosten sind alle Kosten des Betriebs, die keinem Auftrag direkt zugeordnet werden können; im Beispiel 26,97 €.
Zu den Gemeinkosten gehören Werkstatt und Lager, Fahrzeuge und Werkzeug, das Büro mit Verwaltung und Buchhaltung, Versicherungen sowie Zeiten, die nicht abgerechnet werden können, etwa für Angebote, Weiterbildung oder Fahrten zum Großhändler.
Wichtig: Ein Geselle arbeitet nicht jede bezahlte Stunde beim Kunden. Urlaub, Feiertage, Krankheit und Schulungen müssen über die verkauften Stunden mitfinanziert werden. Deshalb fallen Lohnnebenkosten und Gemeinkosten zusammen höher aus als der Lohn selbst.
Wie viel Gewinn macht ein Handwerksbetrieb pro Stunde?
In der Beispielrechnung der Handwerkskammer bleiben dem Betrieb 3,55 € Gewinn pro Stunde. Aus diesem Betrag muss er Rücklagen bilden, in neue Maschinen und Fahrzeuge investieren und Risiken abfedern, etwa einen Auftrag, der nicht bezahlt wird. Reich wird ein Betrieb von diesem Anteil allein nicht.
Der Gewinnanteil ist bewusst als „Gewinn und Risiko“ gefasst. Ein Handwerksbetrieb trägt Gewährleistung für seine Arbeit und muss Fehler auf eigene Kosten beheben. Auch Zahlungsausfälle oder Leerlauf in auftragsschwachen Wochen gehen zulasten dieses Postens.
Für Kunden heißt das: Ein deutlich niedrigerer Stundensatz ist nicht automatisch ein gutes Angebot. Er kann auch bedeuten, dass an Versicherung, Ausbildung oder Gewährleistung gespart wird.
Warum gehen 13,48 € an das Finanzamt?
Weil auf Handwerkerleistungen 19 % Mehrwertsteuer anfallen. Bei 70,97 € netto sind das 13,48 €. Der Betrieb nimmt die Steuer nur ein und führt sie an das Finanzamt ab. Für Privatkunden ist deshalb immer der Bruttopreis von 84,45 € entscheidend.
Gewerbliche Kunden können die Mehrwertsteuer in der Regel als Vorsteuer geltend machen und rechnen mit dem Nettopreis. Privatkunden zahlen den vollen Bruttobetrag. Achten Sie bei Angeboten deshalb darauf, ob Preise netto oder brutto angegeben sind.
Privathaushalte können einen Teil der Arbeitskosten von Handwerkerrechnungen bei der Einkommensteuer geltend machen. Voraussetzung ist unter anderem eine ordentliche Rechnung mit ausgewiesenem Arbeitslohn und eine Zahlung per Überweisung. Die Details klärt eine Steuerberatung.
Wie können Sie Handwerkerkosten sparen?
Sparen Sie vor allem Zeit des Handwerkers: Bereiten Sie den Arbeitsbereich vor, bündeln Sie mehrere kleine Aufträge in einem Termin und klären Sie den Umfang vorab. Holen Sie mehrere schriftliche Angebote ein und vergleichen Sie, was jeweils enthalten ist, statt nur den Stundensatz.
Anfahrt, Material und Entsorgung werden oft getrennt berechnet. Ein günstiger Stundensatz kann durch hohe Pauschalen wieder aufgezehrt werden. Fragen Sie nach einem Festpreis, wenn sich der Aufwand gut abschätzen lässt, und lassen Sie Änderungen während der Arbeiten schriftlich festhalten.
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Von 84,45 € brutto bekommt der Geselle 22 € – der Rest hält den Betrieb am Laufen, und nur 3,55 € bleiben als Gewinn.