Wärmepumpe & Förderung

    Wärmepumpe mit Heizkörpern: Warum die Vorlauftemperatur entscheidet

    Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit normalen Heizkörpern?

    Eine Wärmepumpe funktioniert auch mit normalen Heizkörpern effizient. Das zeigt ein Feldtest des Fraunhofer ISE mit 77 Anlagen im Bestand: Auch die reinen Heizkörper-Anlagen erreichten alle eine Jahresarbeitszahl von mindestens 3,0. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur – je kühler das Heizwasser, desto weniger Strom braucht die Wärmepumpe.

    Wärmepumpe mit Heizkörpern: Mythos-Check1:01 Min.
    Transkript lesen

    Zwei Räume, beide einundzwanzig Grad. Links Fußbodenheizung, rechts Heizkörper – beide mit Wärmepumpe. Welcher braucht weniger Strom? Entscheidend ist nicht die Raumluft, sondern das Heizwasser: Die Fußbodenheizung kommt mit rund zweiunddreißig Grad aus, der alte Heizkörper braucht fünfundfünfzig. Je kühler das Heizwasser, desto weniger muss die Wärmepumpe leisten – pro Grad rund zweieinhalb Prozent Strom. Und jetzt tauschen wir rechts nur den Heizkörper gegen einen größeren. Der schafft dieselbe Wärme schon mit vierzig Grad. Das Fraunhofer-Institut hat siebenundsiebzig Altbauten gemessen: Auch nur mit Heizkörpern laufen Wärmepumpen effizient. Aber Vorsicht: Ein einziger zu kleiner Heizkörper zwingt das ganze Haus auf hohe Temperatur. Fußbodenheizung oder Heizkörper – was hast du? Schreib's in die Kommentare.

    Das Video zeigt zwei Räume nebeneinander, beide 21 Grad warm: links mit Fußbodenheizung, rechts mit Heizkörper, beide an einer Wärmepumpe. Wertekarten zeigen, wie warm das Heizwasser jeweils sein muss. Dann wird rechts der Heizkörper gegen einen größeren getauscht, und ein Grundriss zeigt, wie ein einziger zu kleiner Heizkörper das ganze Haus auf hohe Temperatur zwingt.

    Was ist die Vorlauftemperatur bei der Wärmepumpe?

    Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das von der Wärmepumpe zu den Heizflächen fließt. Sie ist nicht dasselbe wie die Raumtemperatur. Ein Raum mit 21 Grad lässt sich mit rund 32 Grad warmem Wasser beheizen – oder braucht 55 Grad, je nachdem, welche Heizfläche dort arbeitet.

    Die Wärmepumpe hebt Umweltwärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser auf ein höheres Temperaturniveau. Je größer dieser Temperatursprung, desto mehr Strom braucht sie dafür. Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen kommt hinzu, dass die Außenluft im Winter kalt ist und der Sprung dann ohnehin groß wird. Deshalb ist die Vorlauftemperatur die wichtigste Stellschraube für die Effizienz. Ein niedriger Vorlauf bedeutet eine höhere Jahresarbeitszahl, also mehr Wärme pro Kilowattstunde Strom. Wie sich das auf Ihre Anlage auswirkt, können Sie mit dem JAZ-Rechner abschätzen.

    Wie hoch darf die Vorlauftemperatur bei einer Wärmepumpe sein?

    Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Vorlauftemperatur möglichst ganzjährig unter 55 Grad zu halten. Je niedriger, desto besser: Laut Bundesverband Wärmepumpe kostet jedes Grad Vorlauf rund 2,5 Prozent Stromkosten. Fußbodenheizungen kamen im Fraunhofer-Feldtest meist mit 29 bis 35 Grad aus, Heizkörper meist mit 34 bis 45 Grad.

    Die Messwerte zeigen: Auch Heizkörper laufen im Alltag oft deutlich unter 55 Grad. Der Grund ist einfach. Die meisten Tage im Jahr sind nicht die kältesten. Eine gut eingestellte Heizkurve senkt den Vorlauf automatisch, wenn es draußen milder ist. Schauen Sie deshalb nicht nur auf den Auslegungswert für Frosttage, sondern auf das ganze Jahr. Ein Fachbetrieb kann die Heizkurve nach dem Einbau so einstellen, dass sie gerade eben ausreicht.

    Fußbodenheizung oder Heizkörper: Was ist mit Wärmepumpe effizienter?

    Die Fußbodenheizung ist meist etwas effizienter, weil ihre große Fläche mit rund 32 Grad Heizwasser auskommt. Ein alter, kleiner Heizkörper braucht für dieselben 21 Grad Raumtemperatur bis zu 55 Grad. Der Abstand ist aber kleiner, als viele denken – und er lässt sich gezielt verringern.

    Physikalisch gilt: Eine Heizfläche gibt umso mehr Wärme ab, je größer sie ist und je wärmer das Wasser darin ist. Die Fußbodenheizung hat die ganze Bodenfläche zur Verfügung und kann deshalb kühler bleiben. Ein Heizkörper hat weniger Fläche und braucht dafür wärmeres Wasser. Im Fraunhofer-Feldtest erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Schnitt eine Jahresarbeitszahl von 3,4 – und auch die reinen Heizkörper-Anlagen lagen alle bei mindestens 3,0.

    Muss ich für eine Wärmepumpe die Heizkörper tauschen?

    Meist müssen Sie nicht alle Heizkörper tauschen, sondern nur einzelne. Ein größerer Heizkörper schafft dieselbe Wärme schon mit 40 statt 55 Grad Vorlauf. Der Fraunhofer-Schlussbericht empfiehlt deshalb einen gezielten Tausch der Heizkörper, die für ihren Raum zu klein sind. Das spart Aufwand und Kosten.

    Ob ein Heizkörper groß genug ist, berechnet ein Fachbetrieb mit einer raumweisen Heizlastberechnung. Sie zeigt, wie viel Wärme jeder Raum braucht und welche Heizfläche dafür nötig ist. Typische Kandidaten für einen Tausch sind kleine Heizkörper in Räumen mit großen Fensterflächen oder mehreren Außenwänden. Eine Alternative sind Heizkörper mit eingebautem Ventilator, die bei gleicher Größe mehr Wärme abgeben. Ob Ihr Haus grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet ist, zeigt der Wärmepumpen-Eignungscheck.

    Warum bestimmt der ungünstigste Heizkörper die Temperatur?

    Eine Wärmepumpe versorgt alle Heizkörper mit derselben Vorlauftemperatur. Der Raum mit dem kleinsten Heizkörper im Verhältnis zum Wärmebedarf bestimmt deshalb, wie warm das Wasser für das ganze Haus sein muss. Ein einziger zu kleiner Heizkörper kann so die Effizienz der gesamten Anlage senken.

    Das ist ein häufiger Grund für hohe Vorlauftemperaturen im Altbau. Oft liegt es nicht am ganzen Haus, sondern an einem einzelnen Raum, etwa einem Bad oder einem Eckzimmer. Wird dieser Heizkörper vergrößert, kann die Heizkurve für alle Räume sinken. Es lohnt sich also, gezielt nach diesem einen Raum zu suchen, bevor Sie über größere Umbauten nachdenken. Ein hydraulischer Abgleich sorgt zusätzlich dafür, dass jeder Heizkörper die passende Wassermenge bekommt.

    Für wen eignet sich eine Wärmepumpe mit Heizkörpern?

    Eine Wärmepumpe mit Heizkörpern eignet sich für viele Bestandsgebäude, auch für Altbauten ohne Fußbodenheizung. Voraussetzung ist, dass die Heizkörper groß genug sind, um das Haus mit möglichst niedriger Vorlauftemperatur warm zu bekommen. Fehlt es an einzelnen Stellen, hilft ein gezielter Tausch.

    Ein einfacher Test im Winter: Senken Sie die Vorlauftemperatur Ihrer bestehenden Heizung schrittweise ab und beobachten Sie, ob alle Räume noch warm werden. Wird ein Raum zuerst kühl, haben Sie Ihren ungünstigsten Heizkörper gefunden. Notieren Sie dabei die Außentemperatur, damit Sie die Werte später mit dem Fachbetrieb besprechen können. Wer Planung und Investition nicht selbst übernehmen will, kann die Wärmepumpe im WärmeAbo von Green Contracting ohne eigene Investition nutzen.

    Nicht die Fußbodenheizung macht die Wärmepumpe effizient, sondern kühles Heizwasser – und das schaffen auch ausreichend große Heizkörper.

    Ihre eigene Zahl statt Durchschnitt: Rechnen Sie es gratis nach.